http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_16_1907/0296
ARCH. HANS OFNER-WIEN
AUS EINEM SCHLAFZIMMER (vgl. Seite 280 u. 281)
ob körperliche (und im Gefolge davon auch
geistige) Schwerfälligkeit sie gar zu bald wieder
hinabziehen in die Trivialitäten des Alltagslebens
, und besonders ihr eigener Körper
ist ihnen nicht Gegenstand ästhetischer Betrachtung
und Vervollkommnung. Was über
Toilettefragen hinausgeht, verliert ihr intensives
Interesse. Gerade hierin will die Verfasserin
des Buches „Körperkultur des Weibes"*),
Frau Dr. Bess M. Mensendieck, Wandel schaffen
. Sie lenkt das Interesse ab von den
Aeußerlichkeiten des Lebens auf den eigenen
Körper, die menschliche Figur, die Goethe
das A und O aller Dinge nennt. Sie ver-
*) Körperkultur des Weibes. Praktisch-ästhetische
und praktisch-hygienische Winke. Von Dr. Bess
M. Mensendieck. Mit 100 Abbildungen. Preis
3.80 M. geb. 4.50 M. Verlagsanstalt F. Bruckmann
A.-G., München.
sucht, die Harmonie der Schönheit der Umgebung
mit der harmonischen Darstellung der
körperlichen Erscheinung in Einklang zu
bringen.
In folgendem will ich nun versuchen, zu
zeigen, in wiefern „der Wille zur Schönheit"
die treibende Kraft ist, die Frau Dr. Mensen-
diecks Arbeit entstehen ließ. Wenn man
dies Buch mit anderen, ähnlichen Veröffentlichungen
vergleicht und ihre Ideen mit den
verschiedenen, oft reklamehaft angepriesenen
Systemen, so mag es für den Uneingeweihten
schwer sein, die richtige Wahl zu treffen.
Wer dann aber in die Lektüre des Buches
eingedrungen ist, wer angefangen hat, daraus
zu lernen, der wird schon bei den ersten
Erfolgen an sich selbst merken, daß er jetzt
erst anfängt, zu „sehen" im Sinne der Verfasserin
. Das Urteil wird dann nicht lauten:
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_16_1907/0296