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gärtnerischen Gedanken. Wer große Gelände
gärtnerisch zu gestalten hat, dem mag es unbenommensein
, Szenerien zu entwickeln und Land -
schaftsbilder zu malen. Er arbeitet dann mit
den natürlichen Mitteln der Natur und steigert
sozusagen deren Reize in erlaubter Weise.
Der natürliche Hausgarten ist aber der regelmäßige
Garten. Und in demselben Augenblick,
wo überhaupt das Haus wieder zum Gegenstand
reformatorischer Bestrebungen wurde, mußte
mit absoluter Notwendigkeit auch eine reformatorische
Hand an den Garten im Sinne der
regelmäßigen Gestaltung gelegt werden.
Es ist jedoch zu bedenken, daß die Gartengestaltung
in diesem
Sinne ein ganz fremdes
und neues Gebiet
geworden ist, so
daß es notwendig erscheint
, einen Neuaufbau
stufenweise
vorzunehmen. Der
neue regelmäßige
Garten kann nicht
derselbe sein, wie der
regelmäßige Garten
im 17. und 18. Jahrhundert
. Denn wir
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ERDGESCHOSS-
sind inzwischen andere Menschen geworden,
unsere Lebensansprüche, unsere Stellung zur
Natur haben sich geändert, und an Stelle der
geputzten, tändelnden aristokratischen Herren
und Damen, die die alten Terrassen belebten,
ergeht sich jetzt der Mann mit einfachem, stark
aufs nützliche gerichteten, bürgerlichen Sinn
in seinem Hausgarten. Er hat weder das Bedürfnis
prunkvoller Repräsentation, noch strebt
er nach imponierender Großartigkeit der Anlage
. Für den modernen Garten tritt vielmehr
der Gesichtspunkt der Benutzbarkeit in den
Vordergrund. Auch das neue Element der
sportlichen Betätigung wird darin eine Rolle
spielen. Und das Bestreben
, am Wuchs der
Pflanzen seine Freude
zu haben, wird mehr im
Vordergrunde stehen
müssen, als im alten
aristokratischen Garten.
Nach diesen einfachen
Richtlinien muß sich
der neue Garten entwickeln
.
Glücklicherweise sind
noch Reste des alten,
regelmäßigen Hausgar- obergescnoss-
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