Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 16. Band.1907
Seite: 335
(PDF, 139 MB)
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-^=4^> HERMANN MUTHESIUS: ECHTFÄRBEREI <^*~

RICHARD RIEMERSCHMID-MÜNCHEN SCHLAFZIMMER-GARNITUR AUS STEINZEUG

AUSFÜHRUNG: REINHOLD MERKELBACH, GRENZHAUSEN U. MÜNCHEN

ECHTFÄRBEREI

Obgleich die heutige Färbereitechnik sehr
wohl in der Lage ist, allen Anforderungen
in Bezug auf Echtheit der Farbe, soweit diese
überhaupt erreicht werden kann, zu entsprechen
, so hat sich doch in neuerer Zeit auf
einem Spezialgebiete, nämlich dem der Dekorationsstoffe
, vielfach gezeigt, daß die Echtheit
der Färbung außerordentlich viel zu wünschen
übrig läßt. Vor allem sind es die von
modernen Künstlern beliebten Farbennuancen,
welche sich häufig als sehr vergänglich erweisen
. Die Enttäuschung, welche bei Anwendung
derartiger Stoffe hervorgerufen wird, ist
nicht allein eine künstlerische, indem die vom
Künstler beabsichtigte Farbenharmonie zerstört
wird, sondern sie ist auch eine wirtschaftliche
, indem zum Teil kostbare Stoffe einem
raschen Verschleiß anheimgegeben werden.

Der Grund, weshalb gerade moderne Dekorationsstoffe
häufig an Echtheit der Farbe zu
wünschen übrig lassen, liegt zum Teil darin,
daß die Färbereiindustrie den Wünschen der
Bestellernach ganz bestimmten Farbennuancen
Rechnung trägt, ohne auf die etwa vorhandenen
Gefahren der Nichtechtheit aufmerksam
zu machen, zum Teil aber auch darin, daß
die Qualitätsbegriffe des Publikums für Dekorationsstoffe
bei weitem nicht so scharf ausgebildet
sind, als zum Beispiel bei Kleiderstoffen
, insbesondere bei Herrenkleiderstoffen.
Herrenkleiderstoffe der besten Art sind fast
ganz lichtecht gefärbt. Die verantwortliche
Persönlichkeit dafür ist der Schneider, welcher
seine Kundschaft verlieren würde, wenn ein
von ihm geliefertes Kleidungsstück ausginge.
Er erzwingt daher lichtechte Stoffe von der
Industrie.

In den Dekorationsstoffen fehlt eine derart

verantwortliche Persönlichkeit, da die Ausstattung
der Wohnung nicht in derselben Weise
organisiert ist, wie die Versorgung mit Kleidern.
Insbesondere sind die mit Aufgaben der Innenarchitektur
betrauten Künstler der Industrie
gegenüber machtlos, da sie in deren Betrieb
nicht mit Nachdruck eingreifen können. Die
Aufträge, diesie zu erteilen haben,sind meistens
zu klein, um einen nachhaltigen Einfluß auf
sie ausüben zu können. Es fehlt eine Stelle,
an der die Interessen der Innenkünstler in
der genügenden Weise auch dann gewahrt
werden, wenn es sich um Quantitäten handelt,
die für die Industrie nicht in Betracht kommen.

An der Königlichen Färbereischule in Krefeld
wird der Echtfärbung schon seit Jahren
eine ganz besondere Aufmerksamkeit zugewendet
und der Sinn der Schüler für die
Wichtigkeit der Anwendung echter Farben geweckt
. Als Uebungsbeispiele sind fortlaufend
kleine Färbeaufträge für solche Arbeiten, bei
denen es auf möglichst lichtechte Färbung ankommt
, ausgeführt worden, so zum Beispiel für
die Gobelinmanufaktur von W. Ziesch & Co.
in Berlin, für die Krefelder Teppichfabrik, sowie
für viele Künstler und Hersteller von
feineren textilen Arbeiten. Daneben hat die
Direktion dieser Schule bereitwilligst ihren
Rat zur Verfügung gestellt, wenn es sich darum
handelte, ein maßgebendes Urteil über die
Beständigkeit einer Farbe zu erhalten.

Es besteht die Absicht, diesen Zweig der
Tätigkeit der Schule etwas weiter auszubauen
und die Anstalt dadurch noch mehr in den
Dienst der Oeffentlichkeit zu stellen, als es
bisher schon der Fall war. Der Staat und
die Stadt haben sich erboten, die Mittel für
eine Erweiterung aufzubringen, falls zunächst

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