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-^4^> DAS SPORTHAUS DES BONNER EISKLUBS <^~p-
DAS SPORTHAUS DES BONNER EISKLUBS
Im Weichbilde der Stadt Bonn mischen sich
die Lebensalter in ungewöhnlicher Weise:
neben der ewigfrohen studierenden Jugend
gibt es dem verarbeiteten Beamten und müden
Kaufmann Aufenthalt. Leider prägt das
letztere Element noch mehr als gut ist dem
äußeren Bild ,der wohlhabendsten Stadt
Deutschlands' seinen Charakter auf. Mit Recht
durfte sich Hermann Muthesius in einem
unlängst zu Bonn gehaltenen Vortrage über
den fast barbarischen architektonischen Geschmack
wundern, der aus zahllosen mit monumentalem
Firlefanz behangenen Fassaden der
Bürgerhäuser in den Gartenstraßen von Neu-
Bonn spricht. Doch es tagt auch hier, denn die
Jugend verlangt ihr Recht. Wo sie sich in frohem
Spiel auszutoben pflegt, hat sie sich ein
allen sportlichen Ansprüchen entsprechendes
Heim geschaffen. Auf dem Gelände am sog.
Kessenicher Felde besitzt der Bonner Eisklub
seit Jahren ein großes Anwesen, das den Ruf
der besten Eisbahn Westdeutschlands besitzt,
dessen Fläche sich im Sommer in ein vielfaches
Tennisfeld wandelt. Kriechen auch schon die
Reihen geschmackloser Dutzendhäuser heran,
so wirkt doch die ländliche Umgebung noch
stark. Im Rücken schieben sich die grünen
Kulissen des Kaiser Wilhelmparks heran, und
von drüben grüßt das Siebenhügelland. In
diese glückliche Landschaft hat der preisgekrönte
Erbauer, Rudolf Zahn in Berlin, den
Sportsleuten Bonns ein heimeliges Landhaus
komponiert. In seiner äußern ruhigen, geschlossenen
Grundform lehnt sich das Haus
leise an die Bauart der Großväter an, der
letzten eignen und einheitlichen, die wir Deutschen
gehabt haben. Doch hat der Erbauer
seine Aufgabe nicht unter dem Stilgesichtswinkel
betrachtet, sondern sich vornehmlich
durch die besondere Bestimmung des Hauses
leiten lassen und die äußere Form flüssig
dem Innenraum angepaßt.
Aus der dem Sportplatz zugewandten Hauptseite
hebt sich mit ganz geringem Relief der
die Haupträume enthaltende Mittelbau ab.
Die vier aus dem Unterstock herauswachsenden
glatten Pfeilerflächen geben ihm und überhaupt
der langgestreckten Vorderansicht eine
willkommene senkrechte Gliederung, deren
Linien auch im Dachstock energisch aus-
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