http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_16_1907/0410
-^sö> VICTOR ZOBEL: DIE LÄUGER - GÄRTEN <^=^
später sehen wir, wie die strengen Formen
sich lösen, wie der Garten sich von der Hausarchitektur
trennt, und wie man sich bemüht,
in ihm ein Stück Natur möglichst getreu
nachzubilden. Man wandte sich der unberührten
Natur mit aller Inbrunst zu und verbannte
auch für den Garten jede Regel und
jeden Zwang. Aber da man in der Architektur
wesentlich andere Wege ging, war das Gleichgewicht
gestört. Erst in der jüngsten Zeit
hat eine neue Bewegung eingesetzt, die für
den Garten wieder den innigen Zusammenhang
mit dem Hause fordert und ihn aus den
Bedürfnissen der Zeit heraus künstlerisch,
also in menschlich gewollter Form gestalten
will. Und wenn auch nicht vergessen wird,
daß eine neue Aufgabe neue Wege verlangt,
so werden wir doch dankbar Lehren und Anregungen
aus den großen Gartenbildungen der
Vergangenheit holen und vor allem unsere
deutschen Gärten, die sich aus den französischen
Formen heraus eigentümlich entwickelt
haben, nicht übersehen. Mancherlei wird auch
aus den bescheidenen Bürger- und Bauerngärten
jener Zeit zu holen sein, in denen eine
Fülle von bewährtem und immer gültigem
Guten enthalten ist. Ueberhaupt ist es durchaus
nicht angängig, grundsätzliche Unterschiede
aus der Größe eines Gartens abzuleiten, weil
die kleinen immer die Formen der großen
ihren Verhältnissen angepaßt haben und es
uns heute nicht auf Einzelformen sondern auf
die Art und den Sinn des Ganzen ankommt.
Wenn wir das im Auge behalten, können
wir auch aus den Gartengestaltungen in
England, wohin wir ja leider, nicht zu unserm
Ruhm, immer wieder gewiesen werden, mancherlei
lernen. England ist schon seit Jahrzehnten
im Gartenbau zu seiner selbstsicheren,
überkommenen Art zurückgekehrt und hat,
wo es not tat, den veränderten Bedürfnissen
die neue Form gefunden. Einzelformen nachzuahmen
würde nicht viel Verdienstliches haben;
aber der englische Garten weist einige so außerordentlich
tüchtige Eigenschaften auf, daß es
wohl verlohnt, sie sich zu merken. Vor allem
fällt beim englischen Garten, wie beim Hause,
die ungewöhnliche Sachlichkeit auf, mit der
die einzelnen Teile für die beste Benutzbar-
keit gestaltet sind, dann eine freundliche und
helle Behaglichkeit im zwanglosen und doch
geregelten Nebeneinander, gar kein Prunk
nach außen, sondern durchaus eine vornehme
Innerlichkeit.
Ich glaube, daß auch der Deutsche von
seinem Garten diese Eigenschaften fordern
sollte, die ihm, soweit es sich um den bürgerlichen
Garten, also um die bei weitem häufigste
MAX LAUGER-KARLSRUHE
BLICK AUS DER VORHALLE DES BADHAUSES
394
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_16_1907/0410