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hermann billing - karlsruhe
galerie im treppenhaus der mannheimer kunsthalle
NEUE BUCHER
>Von der Empire- zur Biedermeierzeit.«
Eine Sammlung charakteristischer Möbel und Innenräume
; mit einem Vorwort von J. A. Lux. 54 Foliotafeln
mit 232 Abbildungen. Verlag von Julius
Hoffmann, Stuttgart. Preis 42 M.
»Zopf und Empire.« DreiTeile mit je30Tafeln.
I. Fassaden aus der Empire-Zeit; II. Haustüren,
Tore und Fenster; III. Architektonische Details und
Einzelheiten des inneren Ausbaus. Gesammelt und
herausgegeben von Carl Zetzsche. Verlag von
Kanter & Mohr, Berlin. Preis jedes Bandes 15 M.
Das Bestreben, nach dem jahrzehntelangen planlosen
Umherirren und der Herrschaft der verschiedensten
Baustile vergangener Zeiten wieder an die
Traditionen der Baukunst im 18. Jahrhundert anzuknüpfen
, war eine um so natürlichere Reaktion gegen
die Stilhetze, als in den Bauten und handwerklichen
Erzeugnissen jener Zeit ein gewisser moderner Geist
steckt, der auch mit unserem heutigen Empfinden
und Denken mancherlei Berührungspunkte hat.
Das erklärt auch den Erfolg, den Schultze-Naum-
burgs verdienstvolle und heute schon fast volkstümlich
gewordene Bestrebungen in unseren Tagen
einer neuen Zielen nachgehenden Bau- und Wohnungskunst
finden konnten. Die anspruchslose und
schlichte äußere Erscheinung, die sparsame und
überaus vornehme Verwendung von Schmuckformen
an den Bauten der Empirezeit, das behaglich Anmutende
in den großväterlichen Biedermeierzimmern
, die gediegene technische Durchbildung des
Hausrats, und manches andere sind Vorzüge, die
wir bei den neuzeitlichen Bestrebungen um die
künstlerische Neugestaltung unserer Umgebung wohl
zu schätzen wissen, und die mit der schon glücklich
überwundenen, am Aeußerlichen klebenden Biedermeiermode
des letzten Jahres nichts gemein haben.
Wie viele wertvolle Schätze aus jener Zeit noch allerorts
zu finden sind, und wie nahe sie unseren heutigen
Anschauungen und Bedürfnissen eigentlich liegen,
ersieht man wiederum aus den oben genannten reichhaltigen
Sammelmappen von Lux und Zetzsche.
Lux beschränkt sich auf eine Auswahl interessanter
Wohnräume und Einzelmöbel aus Schlössern und
Bürgerhäusern, zeigt ihren außerordentlichen Formenreichtum
und betont ihre Vorbildlichkeit als
organisch gestaltete Schöpfungen, deren Konstruktion
die natürliche Schönheit des Materials hebt und auf
äußerliche unwesentliche Schmuckstücke verzichtet.
Zetzsche berücksichtigt dagegen in erster Linie
den Wohnhausbau und hat in seine Sammlung
manches gerettet, was anspruchsvolleren Neubauten
Platz machen mußte. Daß er sich im wesentlichen
auf Berlin, Braunschweig, Bremen, Cassel, Erfurt
und Hannover beschränkt und Süddeutschland ganz
übergangen hat, macht sein Werk etwas einseitig,
doch ist es noch immer reichhaltig genug, um die
Vielgestaltigkeit der Baukunst jener Zeit erkennen
zu lassen. d.
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