http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_16_1907/0474
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adolf von hildebrand - münchen
der hubertus-brunnen in münchen
DER HUBERTUS-BRUNNEN IN MÜNCHEN
München verdankt Adolf von Hildebrand
bereits den herrlichen Wittelsbacherbrunnen
. Nunmehr hat es noch ein zweites
Werk aus seiner Hand empfangen, das nicht
weniger als das erste der Stadt zur Zierde
und zum Schmuck gereicht: den eben vollendeten
Hubertus-Brunnen. Beim Wittelsbacherbrunnen
handelt es sich um eine offene
Brunnenanlage mit strömenden Wassern, ruhenden
Marmorbildern und grünen Bäumen im
Hintergrunde. Alles drängt nach außen, entfaltet
sich im Anschluß an die freie Natur,
während sich Form und Gestalt des Hubertus-
Brunnens sozusagen von innen heraus entwickelt
. Die Architektur ist nicht nur ein
Rahmen für die Plastik, sie tritt selbst als
gestaltender künstlerischer Faktor, als schöpferische
Kunst auf.
Um zum Verständnis der neuesten Kunstschöpfung
Hildebrands zu gelangen, muß man
sich den Grundriß des Hubertus-Brunnens
vergegenwärtigen. Der Kern des Gebäudes besteht
aus einem etwa 6 zu 7 m großen Brunnenbassin
. Auf diesem Bassin, das aus schön
geflammtem Tegernseer Marmor gefertigt ist,
stehen acht Säulen aus dem gleichen Mate-
riale, die die Kuppel tragen. Um das Bassin
zieht sich ein gewölbter Gang hin, der sich
an den vier Ecken zu großen Nischen erweitert
. Diesen Nischen im Innern entsprechen
turmartige Ausbauten an der Fassade.
Ferner sind noch vier Tore, je zwei in der
Quer- und Längsachse des Brunnentempels angebracht
und mit einem filigranartigen, eisernen
Gitter ausgefüllt, das verhindert, daß die Außenwelt
sich zu störend bemerkbar macht.
Die beste Uebersicht über das Ganze genießt
man von den Sitzbänken der Nischen
aus. Der Blick des Beschauers, der an den
in sanft geschwungenen Kurvenlinien sich hinziehenden
Wänden entlang gleitet, alle Höhen
und Tiefen mißt, umfaßt und umspannt den
ganzen Raum und bleibt wie gebannt an der
herrlichen Erscheinung des königlichen Tieres,
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