Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 16. Band.1907
Seite: 480
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-»■4^> PORZELLAN VON SCHMUZ-BAUDISS

sondern mit dem Zerstäuber aufgetragen, weil der
Scherben porös ist und die Farbe stark aufsaugt,
so daß der Pinselauftrag fleckig werden würde. Die
Vorlage wird in die nachgebende Masse eingeritzt,
so daß eine natürliche Abgrenzungslinie entsteht,
an der sich, je nach der Richtung des Apparats, die
Farbe beim Aufstäuben sammelt oder verflüchtigt.
Die Farbe kann dann an einzelnen Stellen wieder
abgekratzt werden, und ein neuer Auftrag kann erfolgen
. Das Spiel der Farben wird dadurch reicher,
abwechselnder. Durch richtiges Ueber- und Unterlegen
der einzelnen Farbtöne können Mischwerte
erzeugt werden, die von vornherein berechnet werden
müssen, da sie sich erst im Ofen bilden. Vorher
deckende Farben werden beim Schmelzen zu Lasurfarben
. Die Ausbildung dieser Technik ist das besondere
Verdienst von Schmuz-Baudiss.

Aus diesem Umstand — daß der Künstler nur
den Effekt vorbereiten kann, den der Brand, das
Feuer nachher erst zur Vollendung bringt — ergibt
sich die Schwierigkeit der Kunst. Unberechenbare
Faktoren wirken im feinsten Maße bestimmend. Während
die Form der Farbflecken unverändert bleibt,
entstehen in den Werten neue Töne. Es ist also
diese Methode der Unterglasurmalerei, die aus dem
Material und den Mitteln erwächst, bei der das Feuer
alle Gegensätze ausgleicht und letzterhand erst die
künstlerische Einheit herstellt, wesentlich als materialgerecht
zu bezeichnen, gegenüber anderen Arten,

die doch nur Uebertragung der Prinzipien der Ueber-
glasurmalerei auf dieses Gebiet bleiben. Flüssig
und weich schmiegen sich die Farben ineinander
und trennen sich nicht vom Grund. Am höchsten
stehen in dieser Beziehung die Wandteller mit den
dekorativen Landschaften: Effekte, deren Sicherheit,
Reichtum und Schönheit überraschen. Getreidefelder
, Baumwipfel, Himmelausschnitte mit Luftstimmung
in zartester Weichheit. Vor allem ist das
lichtwechselnde Wolkenspiel, zartrosa, dunkelviolett
und blau äußerst subtil und reizvoll. Nur manchmal
hat man die Empfindung, als ob das Bildmäßige
des Eindrucks das Material zu sehr beschwere; wie
auch die Formen (bei den Vasen, Kannen usw.) und
die Verwendung des Ornamentalen noch einer mehr
dekorativen Ausbildung fähig wären. Es war die
Aufgabe des Künstlers, die Manufaktur künstlerisch
wieder auf eine achtbare Höhe zu bringen, so daß
sie neben den anderen Betrieben im Modernen bestehen
kann. Es wäre zu wünschen, daß die künstlerische
Erneuerung sich nicht auf die Unterglasurmalerei
beschränkt, sondern auch die Malerei auf
der Glasur in ihren Bereich zieht. Dem Gebrauchsgeschirr
würden damit neue Möglichkeiten eröffnet.
Das Publikum, das hierfür in Betracht käme, wäre
größer. Es braucht, wie man sieht, nur der rechte
Künstler zu kommen, der die Sache mit eigenem
Willen anfaßt.

Ernst Schur

AUSSTELLUNG MÜNCHEN 1908

T Tnter lebhafter Beteiligung der Geschäftswelt und
der Künstler fand kürzlich im nördlichen
Schrannenpavillon eine Vorbesprechung über das
Thema »Galanteriewaren« statt.

Professor Riemerschmid eröffnete die Versammlung
mit einer Ansprache, in der er die Ziele und
Wege der Ausstellung mit kurzen Worten kennzeichnete
. Eindringlich und wiederholt betonte er
vor allem, das eigene und wohlverstandene Interesse
des Handels und der Industrie lege den Geschäftsleuten
nahe, sich die Gedanken ernsthaft zu überlegen
und zu eigen zu machen, welche der ganzen
Ausstellung zu Grunde gelegt werden sollen. Der
Weg zu einer vollkommenen Umwandlung des Geschmackes
im Sinne einer gediegeneren, schlichteren
Arbeitsweise sei einmal beschritten, und er werde
gegangen werden. München habe es in der Hand,
sich an die Spitze des Fortschreitens zu stellen und
sich somit die ersten und reichsten Früchte dieser
Entwicklung zu sichern. Unter anderem betrachte
es die Ausstellung als eine wichtige Aufgabe, daß der
großen Reihe von Artikeln, die unter dem Sammelnamen
»Galanteriewaren« zusammengefaßt werden,
eine erhöhte Aufmerksamkeit in geschmacklicher Hinsicht
zugewandt werde. Sie müßten zum mindesten
so behandelt werden, daß man sie als künstlerisch
anständig bezeichnen könne. Von hier aus ging der
Vortragende mehr ins einzelne. Anständig in diesem
Sinne sei ein Gegenstand nur dann, wenn er auf
alle Täuschungsabsichten Verzicht leiste, wenn er
sich zu dem Material bekenne, aus dem er wirklich
besteht, wenn er ganz im Geiste des Materials gedacht
sei, und wenn er nur solche Ornamente trage,
die die Hauptform des Ganzen unterstützen. Echt
und gediegen, das solle in Zukunft auch das Leitwort
dieser Branche sein. In der Einfachheit könne
man niemals zu weit gehen, selbst die Nüchternheit
sei dem schwindelhaften, lügnerischen Wesen vorzuziehen
, das von rühmlichen Ausnahmen abgesehen,

gerade den großen Geschäftszweig der Galanteriewaren
bisher beherrscht habe. Was die Billigkeit
angehe, die ja bei den in Rede stehenden Gegenständen
stets erwünscht sei, so dürfe sie niemals
auf Kosten der Gediegenheit erzielt werden. So
ließen sich beispielsweise bei kluger Verwendung
der Farbe höchst reizvolle Wirkungen erreichen, die
wenig kostspielig sind, ohne gegen den obersten
Grundsatz der Echtheit zu verstoßen. Der Redner
schloß mit einem erneuten Appell an die Geschäftswelt
. Die Ausstellung sei ein Versuch, mit großen
Mitteln unternommen. Versuchsweise sollte sich der
Handel daran beteiligen und wenigstens neben dem
bisher geführten auch das Neue, Gute zu Wort kommen
lassen. Der Erfolg, das sei mit Sicherheit anzunehmen,
werde nicht auf sich warten lassen. — Der zweite
Redner, Rechtsrat Dr. Kühles, betonte nachdrücklich
, daß gerade aus geschäftlichen Gründen die
regste Beteiligung an der Ausstellung und das allseitige
Eingehen auf ihre Ziele geboten sei. Nur
dann könnten auch die kulturellen Absichten des
Unternehmens, das auf eine gesunde, volkstümliche,
demokratische Organisation des Kunstgewerbes abziele
, erreicht werden.

Nach der Diskussion, die erkennen ließ, daß die
Worte der Redner vollstem Verständnis und lebhaftem
Interesse begegnet waren, legte Architekt
Dr. Wenz dar, in welcher Weise die Ausstellungsleitung
den Verkehr zwischen Geschäftsleuten und
künstlerischen Mitarbeitern regeln wolle. Allwöchentlich
werden an die Geschäftswelt Zirkulare hinausgegeben
, die ein Verzeichnis von geeigneten künstlerischen
Hilfskräften enthalten; ebenso erhalten die
angemeldeten Künstler regelmäßigNachweise von Firmen
, die das Bedürfnis nach künstlerischer Mitarbeit
geäußert haben. — Schon jetzt läßt sich erkennen, daß
das Ausstellungsunternehmen in der Geschäftswelt
und unter den Künstlern eine außerordentlich rege
und verständnisvolle Anteilnahme gefunden hat.

Für die Redaktion verantwortlich: h. BRUCKMANN, München.
Verlagsanstalt F. Bruckmann A.-G., München, Nymphenburgerstr. 86. — Druck von Alphons Bruckmann, München.


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