http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_16_1907/0513
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nen. Der Spazierstock kann
als daß die mit modernen Ornamenten bedeckte
silberne Krücke den Besitzer in seinen
ästhetischen Empfindungen entlarvt. Daß man
solche Dinge bei uns so selten in einfacher
vornehmer Form kaufen kann, ist das Zeichen
unserer Rückständigkeit. Je wohlfeiler ein
Stück ist, desto mehr ist es verziert, und die
wirklich guten Gegenstände sind teuer und
meistens immer noch fremden Ursprungs.
Wie muß man nicht die Läden durchstöbern,
bis man einen einigermaßen einfachen, praktischen
und schönen Lampenschirm findet,
wie lange dauert es, bis die Badezimmer in
den Neubauten die
notwendigsten Bequemlichkeiten
erhalten
, wie verhältnismäßig
selten sind
noch — abgesehen
von den rein „künstlerischen
" Arbeiten
— solide, schlichte
Metallgegenstände,
Aschbecher, Speiseservice
, Glassachen
und dergleichen. Lederstühle
ohne eine
daraufgepreßte
deutschen Senatorenvornehmheit
hat das rechte, wenn auch
durch Kunstprinzipien etwas
vergewaltigte Gefühl für den
Komfort großen Stils. Nutzkünstlern
dagegen, wie Pankok,
Grenander oder Olbrich, gelingt
wohl das Bequeme, Elegante
, sogar zuweilen das raffiniert
Luxuriöse, aber doch
nicht so das Komfortable.
Uebrigens ist Wohlhabenheit
für den einzelnen nicht unbedingt
nötig zum persönlichen
Komfort. Man muß bei beschränkten
Mitteln nur auf vieles
verzichten, was angenehm zu
besitzen ist. Es kommt im wesentlichen
darauf an, die nützlichen
und notwendigen Dinge
nach den Bedürfnissen einer
aristokratischen Kultur zu wählen
. Eine Uhrkette zu tragen,
[ist nicht notwendig; aber es ist
'notwendig, nicht eine mit Anhängseln
und Spielereien versierte
über die Weste zu spanbesser
fehlen, Schnörkelschablone gibt es wenige
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ADALBERT NIEMEYER-MÜNCHEN « TEXT IL-ARBEITEN
AUSFÜHRUNG: HAHN & BACH, MÜNCHEN
Ein komfortables
Reiseetui ist kaum zu bezahlen, weil
nur das teuerste Material einfach verarbeitet
wird. Der Fabrikant weiß, daß einfache Sachen
nur von den ganz Wohlhabenden gekauft werden
; die Hauptnachfrage will „geschmückte"
Basarware. In der Konfektion ist der englische
Herrenstoff noch immer der vornehmste,
und trotz aller Anstrengungen hat das ominöse
Wort „billig und schlecht" für das deutsche
Fabrikat noch Geltung. Wenn es sich nicht
gerade um Entwürfe eines der berühmten
Nutzkünstler handelt, ist selbst in den verständigen
Arbeiten — die ja erfreulicherweise
täglich in größeren
Quantitäten und in
bessererQualität entstehen
— stets doch
eine Nuance erhalten
, die den gebildeten
Geschmack unangenehm
berührt.
Und wenn die Hauptstücke
einer vernünftigen
Interieureinrichtung
zusammengebracht
sind,
wenn der Bewohner
ganz glücklich über
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