http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_16_1907/0521
adalbert niemeyer-münch en tafelgläser mit goldauflage
ausführung: benedikt von poschinger, oberzwieselau
nur mit großen Umständen ein gutes Modell
für Stempel finden kann.
Die Zahl solcher Beispiele ließe sich noch
unendlich vermehren. Viele werden es schon
gespürt haben beim Einkauf, vor allem die
Frauen, denen das Aristokratische in Dingen
der Aesthetik mehr angeboren ist, und die
einen ausgesprochenen Sinn für verständigen
Komfort haben. Helfen kann auch hier nur
der steigende und fortgesetzte Zwang der
Nachfrage. Denn die Nachfrage, das ist der
Geldbeutel, und dem allein unterwerfen sich
der Fabrikant und der Händler, während die
ideale Forderung am Profitbedürfnis wirkungslos
abprallt. Es wird viel zu wenig davon
Gebrauch gemacht, durch Widerspruch im
Laden gegen die schlechte Ware zu agitieren,
wofür der Gebildete schon eine ruhige, sogar
wortlose Form finden wird. Zur Konstituierung
der Nachfrage ist aber die ästhetische
Selbsterziehung Voraussetzung. Damit das
Bedürfnis nach dem Komfort im besten Sinn
entsteht, ist es nötig, daß man innerlich mit
sich selbst im klaren ist, und daß man das
Falsche zu vermeiden versteht.
Karl Scheffler
a. niemeyer « ladenschild in kunstverglasung
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