http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_17_1908/0092
vom Troß, die Marodeure, überhaupt alle
verdächtigen Nebenexistenzen des Soldatenlebens
hatte er besonders ins Herz geschlossen
, Wegelagerer, plündernde Bauernschinder
aus dem dreißigjährigen Kriege und
andere Leuteplacker mit jenem kernigen Humor
geschildert, der auch solche Burschen erträglich
und drollig macht. Aber das ist ja in aller Gedächtnis
!
Weniger bekannt sind die ganz ernsten Darstellungen
des Meisters, wie ein paar Versionen
des hl. Georg, des Patrons der Reiter (s. das
Titelbild), der ja so recht auch sein eigener Patron
war. Von der späten Darstellung einer
„Versuchung" war oben schon die Rede. Auch
davon, daß sie nicht nur ein famoses Bild ist,
sondern ein fast verblüffender Beweis für die
vom Alter noch ungeschwächte Vitalität Diezscher
Kunst, die so viele Möglichkeiten der
Entwicklung in sich trug. Im Jahre 1883 stellte
Diez eine „Anbetung der Hirten" aus (Abb.
Jahrg. 1886/87, geg. S. 289, jetzt in der Sammlung
Schön zu Worms), ein Bild mit meisterlich
gelöstem Beleuchtungsproblem und heimeliger
, volkstümlicher Liebenswürdigkeit der
Darstellung, und ein paar Jahre später wurde
eine kaum minder schöne „Flucht nach Aegypten
" fertig (Abb. Jahrg. 1887/88, geg. S. 131).
Sein Selbstbildnis im Glaspalast (Abb. S. 49)
zeigt ihn auch als sicheren Beherrscher lebensgroßer
Form, und die tonige, breite Malerei
dürfte selbst jene befriedigen, die außerhalb
der Nachfolge Leibis in der deutschen Malerei
keine Entwicklung sehen wollen.
Es gibt übrigens neben der Fülle positiver
und bleibender Leistungen, die den Namen
Wilhelm Diez erhalten, noch einen Beweis
für seine persönliche und künstlerische Bedeutung
— das ist die schier unglaubliche Anzahl
von erfolgreichen, ja berühmten deutschen
Malern, die aus seiner Schule hervorgingen.
Gewiß kam mancher dann weitab von Diezscher
Art — aber von ihm ausgegangen zu
sein, hatte keiner zu bereuen. So mag es
wohl verstattet sein, aus der Liste der Diez-
Schüler hier einen Auszug zu bieten — er
macht auch als Auszug keinen Anspruch auf
Vollständigkeit, da unbegreiflicherweise unter
den früheren Leitungen der Münchner Akademie
keine Listen der einzelnen Schulen aufbewahrt
und erst nach dem Tode von Diez
ein Verzeichnis seiner Schüler angelegt wurde.
Es fehlen dabei aber sowohl zum Teil die
Toten wie auch die Schüler des letzten Quin-
quenniums. Mancher wird staunen, wie verschiedenartige
Künstlertemperamente in der
Diez-Schule herangebildet wurden — vielleicht
kommt die Mannigfaltigkeit gerade durch
60
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_17_1908/0092