Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 17. Band.1908
Seite: 116
(PDF, 165 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_17_1908/0152
VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN

in sich trägt; Leandre zeigt sich von der besten
Seite in seinen Schwarzweiß-Arbeiten, in denen eine
saftige Tonwirkung neben der treffsicheren Kari-
kierungsgabe zum Ausdruck kommt. Diese erscheint
in ganz anderer Art auch in den köstlichen Porträtzeichnungen
von Sem, der mit staunenswerter Sicherheit
seine bis auf ein Minimum reduzierten Linien
und Farben zur äußersten Ausdrucksfähigkeit zwingt.
Etwas trocken wirken die Blätter von Mars, während
A. Guillaume mit einer glänzenden Folge
farbiger Zeichnungen und Lithographien vertreten
ist, die ihn mit ihrer pikant prickelnden Wirkung in
eine Reihe etwa mit Reznicek stellen.

Prachtvoll fidel sind die geschnitzten Karikaturen
von Caran d' Ache (europäische Potentaten auf
der Jagd), wenn auch die Charakteristik der Tiere
gelungener ist als die der Menschen. Breit und
kräftig ist der Stil seiner Zeichnungen, wie geschaffen
für den Holzschnitt. A. Willette, der sich
als ein hochtalentierter Zeichner ausweist, hat sich die
Darstellung eines Gebietes gewählt, das rein äußerlich
stark an das Arbeitsfeld von Felicien Rops
streift; die Präzision der Gestaltung und die Gewalt
der Phantasie seines Vorbildes geht ihm freilich ab.

dora h itz

bildnis der frau von h.
Deutsche Kunstausstellung, Köln

Leider wurden uns von Forain nur wenige Arbeiten
beschert, die aber seine verblüffende Art
flotter breiter Skizzierung gut zur Anschauung bringen.

Mehrere krasse Plakatentwürfe, einige Oelbilder,
eine ganze Reihe von plastischen Karikaturen
mischen sich unter die Heerschar mittelmäßiger
Blätter; aber der Gesamteindruck der Ausstellung
ist gut; die Stunden, die man dort in humorvoller
Gesellschaft verlebt hat, gehören nicht zu den verlorenen
.

Im Salon Cassirer weht eine schwerere Luft. Den
Auftakt bilden das prachtvolle Porträt von Manet
»Le bon bock«, und eine duftige holländische Landschaft
von Monet. Das Ergebnis einer Schweizer
Reise W. Leistikows liegt vor in einer Reihe ausgezeichneter
Guaschen, die des Malers Landschaftskunst
im besten Lichte zeigen. Karl Walser
stellt neben einigen Delfter Straßenbildern und einem
köstlichen »Blick aus dem Fenster« eine etwas
böcklinisch angehauchte italienische Talmulde aus,
in der das Graugrün der Oliven vorzüglich auf einem
braunen gepflügten Acker steht.

Die Stumpfheit und Leblosigkeit der Figuren auf
einigen farbig brillanten Spreewaldbildern Philipp

Francks ist zum großen Teil
jedenfalls vom Künstler gewollt
; etwas weniger davon
wäre aber doch zuträglicher gewesen
.

Den Mittelpunkt der Ausstellung
bildet die Kollektion Ferdinand
Hodler, der hier, wenn
auch meist nur in Skizzen, von
etwa 1875 an vorgeführt wird.
Sehr interessant ist es, seine
langsame Entwicklung zum Stilisierten
und Dekorativen zu verfolgen
und zu beobachten, wie
sich bei ihm allmählich — schon
in den frühesten Anfängen bemerkbar
— die unerbittliche
Energie des Gestaltens losringt.

Hervorgehoben sei besonders
eine wundervolle, in hellen Tönen
gehaltene Winterlandschaft
vom Matterhorn, nicht aller-
jüngsten Datums, aber von einer
Monumentalität, welche die Arbeiten
Leistikows stark ins Hintertreffen
setzt.

In Caspers Kunst-Salon zeigt
sich eine im einzelnen gewählte,
aber etwas bunt zusammengewürfelte
Bilderreihe. Habermann
kommt zu Worte, mehrere
Skizzen von Liebermann
hängen da neben einer kleinen
Heidelandschaft von Th. Rousseau
, die wie ein moderner
van Goyen anmutet; dann ein
liebenswürdiger kleiner Fro-
mentin, eine Oel- und eine
Bleistiftstudie von Daubigny.
Von Augustus Koopmann
sind einige weiche, koloristisch
gute aber unruhig komponierte
Landschaften da, Sperl und
Fritz Thaulow sind vertreten.

Eine brillante Skizze zeigt
Manet als Karikaturisten und
einige breit aquarellierte, fabelhaft
prägnant gezeichnete Dau-
miers, des Altmeisters der

116


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_17_1908/0152