Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 17. Band.1908
Seite: 118
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-*=4^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^=^

Karikatur, schließen den Ring und führen uns wieder
zurück in den Salon der Humoristen. Robert Schmidt*)

MÜNCHEN. In den verschiedenen Münchener
Ausstellungslokalenist zurzeit recht viel Sehenswertes
zu finden. So bringt die rührige Moderne Kunsthandlang
von F.J. Brackl an der Goethestraße eine
Kollektion von Steindrucken des bekannten Pariser
Impressionisten Pierre Bonnard, der in vielem
an Lautrec erinnert, vielleicht
die Oberfläche etwas
weniger virtuos behandelt
, dafür aber ein
wenig mehr in die Tiefe
geht. In den meisten der
Steinzeichnungen, die
ihren Stoff mit frischester
Unmittelbarkeit aus dem
Pariser Leben nehmen,
hat Bonnard den fabelhaft
leichten und flüchtigen
, von keiner Reflexion
gehemmten Strich
Lautrecs. Aber es ist auch
eine Reihe von schwerer
und malerischer gehaltenen
farbigen Blättern,
namentlich nächtlichen
Boulevardszenen, einem
Theaterinterieur usw. da,
worin Bonnard anderen
und schwierigeren Problemen
auf eigenen Wegen
nachgeht. Im gleichen
Saale hängt eine
Serie von recht talentvollen
und kräftigen Landschaften
von Margaret
Hausberg, Gemälden,
schwarzweißen und farbigen
Zeichnungen vom
Bodensee und der Umgebung
Münchens, die ein
keckes, selbständiges Zugreifen
und hohen Sinn
für die landschaftliche
Form verraten. Neue Arbeiten
von Leo Putz erfreuen
wieder durch meisterlich
gemalte Akte, ein
paar neue größere Tafeln
von Fritz Erler durch
die souveräne Behandlung
der dekorativen Frage
, den köstlichen Farbengeschmack
und jene
Originalität der Erfindung
, die Erler stets auch
am einfachsten Vorwurf
bewährt. Auch R. M.

Eichler, Angelo Jank, H. v. Habermann, O.
Bauriedl sind durch famose neue Arbeiten vertreten
und eine Reihe Bilder von Philipp Klein f
läßt uns wieder den frühen Hingang dieses außerordentlich
begabten Malers beklagen. — Im Kunstverein
füllte eine Kollektivausstellung des Zügelschülers
J.Seyler den ganzen großen neuen Saal,
Dokumente zähen und tüchtigen Fleißes und einer
schönen, nach Freiheit ringenden Begabung. Die
großen Tierstudien, Pferde und Rinder in Sonne,
Halbsonne und Schatten, paarweise und einzelne

AUGUST KRAUS SABINISCHE MUTTER

Deutsche Kunstausstellung, Köln

*) In Vertretung unseres ständigen Referenten Herrn Dr. Gensei.

Tiere etc. weisen die Familienähnlichkeit auf, welche
die Arbeiten der Zügelschüler unter dem Einflüsse
der starken und lockenden Eigenart des Meisters
immer zeigen, wenn auch hier viel weniger dem
Aeußerlichen des Vortrags, als der Intensität von
Zügels Naturanschauung nachgegangen ist. Viel persönlicher
aber sind diekleineren Studien nach Frauenakten
, mit ebensoviel Wucht als koloristischem Feinsinn
hingestrichen, fast an gute Arbeiten Slevogts erinnernd
. Beachtenswerte
Kollektionen stellten ferner
Clara Walther
und Rudolf Gönner
aus. Im Erdgeschoß waren
in stattlicher Anzahl
handgedruckte Originalholzschnitte
von Hermann
Zeillinger zu
sehen, Blätter von starker
Wirkung und gutem koloristischen
Geschmack,
darunter ein paar interessante
Badeszenen und
treffliche Bildnisse von
P. Rosegger und Hugo
Wolf f. Eine Woche
später stellte sich Max
Feldbauer, das bekannte
Mitglied der »Scholle«,
ein mit einer gewaltigen
Kollektion von Studien
aller Art, Akten, Kostümbildern
, Pferdestudien
und Landschaften. Durch
die ganze Menge dieser
Arbeit geht ein hinreißender
Zug von Temperament
und Kraft, einer
fast unbändig erscheinenden
Kraft. Die Frauenakte
werden manchem
vom Publikum zu derb
erscheinen, in der Form
sind sie auch ziemlich
robust behandelt — aber
als Farbe sind gerade sie
von einer entzückenden
Zartheit. Nicht minder
schön und dabei unbeschreiblich
wuchtig gemalt
sind die Pferdestudien
, namentlich die
nach mächtigen Hengsten
schwersten Schlages,und
ebenso originell als frisch
die schnell und flott hingesetzten
Bilder draller
Bauernmädel in grellbunten
Kleidern. Auch diese
Grellbuntheit ist durch
den Geschmack eines hochbegabten Koloristen in
Harmonie verwandelt und man freut sich an dem
Leuchten der rot und blau gewürfelten Stoffe. Eine
Reihe von Handzeichnungen beweist, wie trefflich
Feldbauer auch die feinere Form beherrscht und
wie intensiv er sie studiert. Eine Summe von
Arbeit ist hier beisammen, die uns mit froher Zuversicht
auf die — Bilder Feldbauers warten läßt,
die nun kommen werden. — Die Galerie Heinemann
eröffnete in ihrem Oberlichtsaal schon Anfang
Oktober eine höchst bemerkenswerte Schau von Gemälden
und graphischen Blättern des Engländers
Charles Shannon, Gemälden und Kleinplastiken

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