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^=43ö> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^^p~
seines Freundes Charles Ricketts und machte uns
dabei mit zwei hochstrebenden, an Können reichen
Künstlern bekannt. Shannon, ein Namensvetter des
bekannten mondänen Frauenporträtisten, ist wohl als
ein Abkömmling der präraffaelitischen Schule zu bezeichnen
, arbeitet aber malerischer als diese und
hat seine Ideale mehr in den alten Venetianern
Giorgione und anderen Meistern. In prachtvoll komponierten
Bildern, deren Farbe nicht allzureich, aber
fein und heiter ist, verherrlicht er die Schönheit
nackter Menschenleiber, von köstlicher tiefer Harmonie
des Kolorits sind seine Frauenbildnisse und
besonders bewundernswert ist der kühne Schwung
seiner Kompositionen und die hochentwickelte, feine
Technik, die sich in seinen Lithographien offenbart.
Ricketts bevorzugt als Maler religiöse Motive, unter
anderm hat er eine Kreuzigung, zwei Kreuzabnahmen,
Szenen vom Barmherzigen Samariter usw. ausgestellt.
Sein Strich ist breit und kühn, stark und saftig und
läßt die Formen merkwürdig plastisch heraustreten.
Die bildhauerischen Arbeiten von Ricketts, kleine,
ganz dunkel patinierte Bronzen von schnittiger und
zugleich eminent malerischer Modellierung darf man
wohl sehr hoch werten. — Im Parterresaal finden
wir u. a. ein halbes Dutzend plastischer Werke eines
ganz jungen schwäbischen Künstlers E. Epple aufgestellt
, die berechtigtes Aufsehen erregen. Selten
debütiert ein >Neuer« mit so reifen Werken. Da ist
eine Salome als Relief in Marmor, ein marmorner
Orpheus und seine Verkleinerung in Bronze, ein
Bronzekopf einer Römerin —
Arbeiten von reiner und strenger
Formenschönheit, technisch
schlechthin vollendet. Epple hat
sich in Rom gebildet und öffentlich
vorher noch nie ausgestellt.
Fi.
ELBERFELD. Aus Anlaß des
*~* fünfjährigen Bestehens des
Museums wurde in demselben
eine Ausstellung von solchen
Kunstwerken aus Privatbesitz
veranstaltet; die innerhalb der
letzten fünf Jahre erworben wurden
. Daß dabei 161 Gemälde
und Skulpturen zusammenkamen
, die den mit Schärwänden
geteilten größten Saal des Museums
reichlich füllten, ist ein
gutes Zeichen für den Eifer —
und daß es meist ernste, gediegene
Kunstwerke sind, ein ebenso
gutes Zeichen für die Sachkenntnis
, mit der die Sammler
zu Werke gingen. Am stärksten
und gut vertreten sind die
Münchner der siebziger Jahre
die Schleich, Lier, Spitzweg
, Diez, auch Gotthard
Kühl mit einem Bilde aus der
Münchner Zeit des Künstlers;
aber es fehlen auch nicht die
alten Niederländer des 17. Jahrhunderts
; so sind wir einem
Gemälde Goyen's, das wir auf
der Auktion Königswarter sahen,
hier wieder begegnet (Bes. Dr.
v. Böttinger). Auch die Engländer
, wie Constable und Cox
(Bes.derselbe),ersteres ein helles
und klares, letzteres ein prachtvoll
tief klingend und toniges louis CORinth
Bild, die französischen Impressionisten
wie Sisley etc., der Holländer Israels
und der Spanier Sorolla y Bastida sind mit
guten Arbeiten vertreten. Hauptsächlich sind es die
Sammlungen Jung, von Böttinger, Blank, von
der Heydt, Bayer und Julius Schmits, die sich
durch Reichhaltigkeit und Qualität auszeichnen. Aus
ersterer möge noch zum Schluß ein merkwürdig
impressionistischer Menzel, aus letzterer ein vornehmer
Feuerbach, ein farbenglühender, ungewöhnlicher
Thoma und ein pikanter Monticelli
erwähnt werden. Alles in allem genommen ist es
eine interessante Ausstellung von guter gediegener
Qualität, die deutlich zeigt, daß die Gründung des
Museums auch anregend auf die Sammeltätigkeit
der Liebhaber gewirkt hat. —s.
t>RÜSSEL. Der Salon Triennal. Die Ausstellung
ist eine internationale; leider überschreiten nur
wenige Werke die gemäßigte Zone des Könnens.
Bemerkenswert ist ein Neuerwachen der dekorativen
Malerei, ein Streben nach großen Flächen, das seit
Jahrzehnten geschlummert. Unter verschiedenen
mehr oder minder gelungenen Versuchen ziehen die
großen Wandgemälde von C. Montald die allgemeine
Aufmerksamkeit vollberechtigt auf sich. Es
sind zwei Kolossalentwürfe zur Ausschmückung des
alten Museums in Brüssel. »Die Quelle der Inspiration
« und >Die Barke des Ideals« erwecken in
ihrem königlichen Strahlenblau von Himmel und Luft
und den goldverbrämten Gestalten einen wahrhaft
MUTTER UND KIND
Deutsche Kunstausstellung, Köln
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