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DIE ZWEITE AUSSTELLUNG DER KGL. AKADEMIE DER KÜNSTE ZU BERLIN
VoGELgehalten (Abb. S. 177), dessen Eindruck
kurz durch die Worte: Rot, Grün und Sonne
charakterisiert werden kann.
Als die pieces de resistance der ganzen
Ausstellung aber stehen wir nicht an, die
beiden Werke von Arthur Kampf zu bezeichnen
: das Porträt seiner Frau und den
Pferdebändiger (s. das Titelbild). In dem einen,
dem Porträt, zeigt der Künstler einen eminent
fein entwickelten Farbensinn; in großen Falten
fließt der köstliche Stoff des hellorangefarbenen
Kleides bis zum vorderen Rand des Bildes hernieder
; dahinter ein prächtiges mattes Graugrün
in der Tischdecke, auf der silbernes
Geschirr und eine graue Porzellantasse stehen.
Hier und dort sind einige pikant prickelnde
Silberflitter eingestreut — kurz das Ganze von
einer koloristischen Delikatesse, neben der
Sargent's Bilder verblassen.
Und dann der Rossebändiger, oder, wie der
Katalog schlichter betitelt: ,,Das störrische
Pferd" ! Prachtvoll sind auch hier die Farben :
das Ziegelrot der Jacke des Stallknechtes und
das glänzende Grauschwarz in dem aufbäumenden
Pferd, alles gestellt gegen einen wolkenschweren
grauen Himmel. Die große Leistung
des Bildes liegt aber anderswo: in der
fabelhaften Energie der Bewegung. Wie der
dunkle Körper des Gauls diagonal durch die
Bildfläche schneidet, und wie dieser Kraft
sich die andere, die des Bändigers, rechtwinklig
entgegenstemmt, das ist mit einer
staunenswerten Eindringlichkeit gesagt. Und
noch deutlicher wird das Bewegungsmotiv
durch die Wiederholung der großen Achse in
dem Terrier, der bellend anspringt. Der Bildausschnitt
, oben und hinten das Pferd scheinbar
beengend, trägtauch dazu bei, die gewaltige
Spannung der Gruppe noch energischer zum
Ausdruck zu bringen.
So gut das Niveau der ganzen Ausstellung
auch ist: dies Bild schlägt alles. Freuen wir
uns, daß sein Schöpfer eine so einflußreiche
Stellung in der Akademie der Künste einnimmt.
august gaul fischotter
II. Ausstellung der Akademie der Künste, Berlin
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