Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 17. Band.1908
Seite: 280
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-^4^> DAS GESETZ DES STILWECHSELS IN DER KUNST <^p-

sich die Dinge nicht so einfach und glatt, wie
es nach diesem Schema erscheinen könnte.
Vielmehr sind die Einflüsse, von denen Kunstblüte
und Kunstverfall abhängen, so mannigfacher
Art, daß es ganz unmöglich ist, den
tatsächlichen Verlauf der Kunstentwicklung
nach diesem Schema zu konstruieren oder gar
vorauszusagen. Das ist auch gar nicht die
Meinung derer, die diese Theorie vertreten.
Was sie mit der Statuierung einer solchen
Wellenbewegung sagen wollen, ist vielmehr
nur, daß es irgend ivelche im Wesen der Kunst
liegende Verhältnisse gibt, die unabhängig von
allen äußeren Einflüssen, unabhängig von
fördernden oder hemmenden Verhältnissen die
Kunst zur einen Zeit in diese, zur anderen in
jene Richtung drängen. Was sie wollen, ist im
Grunde nichts anderes, als durch dietatsächliche
viel verschlungene und komplizierte Geschichte
der Kunst hindurch die treibenden
Faktoren bloßzulegen, die dem künstlerischen
Schaffen als solchem die Wege weisen, und
die sich dementsprechend auch in der Kunstentwicklung
nachweisen lassen.

Es handelt sich also hier um etwas Reinpsychisches
, d.h. von den wechselnden Kultureinflüssen
Unabhängiges, etwas, was in der
sich ewig gleichbleibenden Psyche des Menschen
begründet ist. Der bloße Hinweis auf die
Macht der Tradition einerseits und das Streben
nach Neuem andererseits genügt zur Erklärung
dieser Entwicklung nicht. Eine tiefere Auffassung
führt uns notwendig zu den psychischen
Grundlagen des künstlerischen Genießens
und Schaffens überhaupt.

Ohne mich hier in eine lange Erörterung
über die auf diesem Gebiete noch immer
herrschenden Gegensätze einzulassen, will
ich mich begnügen, die Ursachen des Stilwechsels
so zu erklären, wie sie sich nach
der von mir vertretenen ästhetischen Illusionstheorie
darstellen.

Das Wesen meiner Aesthetik besteht nicht in
der kraß naturalistischen Lehre, daß die Kunst
einfach die Natur nachzuahmen habe, sondern
vielmehr in dem Nachweis, daß zu jeder Kunstanschauung
zwei Gruppen psychischer Elemente
gehören, eine, die wir als illusionserregende,
und eine, die wir als illusionsstörende bezeichnen
. Zu den illusionserregenden Elementen
gehören z. B. in der Malerei alle imitativen
Eigenschaften derselben, d.h. alle Formen, die


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