Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 17. Band.1908
Seite: 301
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_17_1908/0367
^-4^> DAS GESETZ DES STILWECHSELS IN DER KUNST <^=^

THEODOR AXENTOWICZ

DIE FAMILIE DES KUNSTLERS

Technik ließ sie gar nicht in die Gefahr kommen,
stillos zu werden. Der Stil war für sie etwas, was
sie gewissermaßen mit der Muttermilch eingesogen
, besser gesagt mit der Ateliertradition
aufgenommen hatten, was mit ihrem Wesen fest
und unzertrennlich verbunden war. Deshalb
konnten sie es sich leisten, ihrer Tendenz nach
Naturalisten zu sein.

Eine solche naturalistische Periode hat die
europäische Malerei dann wieder nach der
Mitte des 19. Jahrhunderts erlebt. Für einen
Maler wie Courbet war alles, was Stil heißt,
Schwindel. Raffael und Tizian hielt er für
Lügner, denen er, wenn sie noch lebendig gewesen
wären, am liebsten einen Denkzettel
versetzt hätte. Die Natur so zu malen, wie
er sie sah, d. h. sie so objektiv darzustellen,

wie ihm das nur immer möglich war, bildete
für ihn das höchste Ziel der Malerei. Auch
hier können wir, die wir seine Kunst aus der
Ferne anschauen, seine Beteuerungen nur
cum grano salis verstehen. Denn wir müssen
immer wieder über das stark stilistische, ja
sogar konventionelle Element staunen, das in
seinen Werken herrscht. Zur Erklärung dafür
werden wir wiederum sagen müssen: er hatte
gut, den Naturalismus zu proklamieren, denn
er hatte so viel Stil im Leibe, d. h. in den
Augen und in der Hand, so viel Ruhe der Naturanschauung
und Großzügigkeit der Technik,
daß er keine Gefahr lief, dadurch stillos zu
werden.

Man kann nicht leugnen, daß die ganze
europäische Malerei seit dem Verblassen des

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