Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 17. Band.1908
Seite: 351
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^-^> ÜBER DAS ERLERNEN DER MALEREI <^-c-

UBER DAS ERLERNEN DER MALEREI*)

Von Walter Leistikow

Neulich überraschte mich der Briefträger
mit einem schönen Buche, das er mir
auf den Frühstückstisch legte. Das heißt die
Ueberraschung war eigentlich nicht so groß,
wie ich hier glauben machen möchte, denn
ich hatte das Buch, wie einen lieben Freund,
dessen bevorstehender Besuch lang angekündigt
, mit einer gewissen ungeduldigen Sehnsucht
schon erwartet. Nun lag es da und sah
mich an, als wenn es mich bitten wollte und
sagen: da bin ich, nimm mich in die Hand
und schau nach, ob ich das bin, was du erwartet
hast. — Und da nahm ich das Buch,
sah es von allen Seiten an und mußte lachen
vor Vergnügen. Denn wirklich, ganz so hatte
ich es erwartet. Aus jeder Seite schaute mich
der gute Corinth an, so wahr, einfach und
ehrlich, wie ich ihn nun schon seit langen
Jahren kenne und liebe. Und ich erinnere
mich deutlich, wie ich auch damals innerlich

*) Louis Corinth, Das Erlernen derMalerei. Berlin,
Verlag von Paul Cassirer. Broschiert M. 7.50, geb.
M. 10.—.

lachen mußte, als er mir vor Jahresfrist zum
ersten Male von seiner Absicht sprach, ein
Malbuch schreiben zu wollen. Donnerwetter,
ein Malbuch! Eine wirklich ausgefallene Idee,
heutzutage im Zeichen des Impressionismus
und darauffolgender tausendfältiger, tastender
Versuche nach Neuem und immer Neuerem,
schreibt unser Corinth ein Malbuch, ganz wie
in der Zeit, als der selige St. Akademikus noch
unumschränkter Herrscher war im Reiche der
Kunst und der Kunstjünger. Aber freilich,
eins war wohl sicher, mochte Corinth schreiben,
was er wollte — er konnte und würde nie
etwas anderes geben als ein Stück von sich
selbst, ein Stück dieser aufrichtigen, wahrhaften
Natur, dieses klugen braven Gemütes,
das so weich und zärtlich ist, so liebevoll
und tieffühlend, er, der sich so gerne gefällt
in Posen einer derben kraftstrotzenden Wildheit
und Laune.

Dieser prachtvolle Mensch, der offen aus
den Blättern zu uns spricht, er ist es, der
das Buch lesenswert und lieb machen wird

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