Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 17. Band.1908
Seite: 488
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-sr4^> LOVIS CORINTH <^=^

einer Liste. Ob Corinth eine Tigerdogge malt Schriftsteller Rüderer und Kerr, des Priesters
oder einen Geisteshelden, das ist ihm ganz Moser, des Gruppenbildes „Frühstück" und des
gleichgültig. Sein einziges Bestreben ist, das Familienbildnisses, zu dem der fastgleichzeitig
Geschöpf, das er sieht, so wiederzugeben, wie gemalte „Raucher" die Ergänzung bildet. Ein
er es gerade empfindet. Seine Bildnisse sind Beweis, wie mannigfaltig und doch stets in
Studien von höchster Lebendigkeit, die dem sich abgeschlossen Corinth seine Bildnisse bei
„ersten Eindruck" entsprechen. Der erste Ein- Wiederholungen auffaßt, läßt sich leicht erdrück
haftet und bleibt maßgebend, selbst wider bringen durch Gegenüberstellung solcher mehr-
Willen, falls nähere Bekanntschaft dazu drängt, facher Darstellungen derselben Person. Den
das Urteil zu ändern, und so ersetzen auch die reichlichsten Stoff zu Vergleichen liefern die
Porträts von Corinth durch Wucht der Ueber- Bildnisse, die Corinths Gattin in immer neuer
zeugung reichlich das, was ihnen an Ausführ- Auffassung schildern. („Charlotte Berend",
lichkeit der Charakterschilderung mangeln mag. „Mein Petermännchen", „Die schwarze Maske",
Bezeichnende Beispiele für Corinths Menschen- „Freilicht".) Besonders schroff ist der Ge-
schilderungskunst sind die Bildnisse der Frau gensatz zwischen dem heute wiedergegebenen
M., der Frau v. W., des Malers Mosson, der Selbstporträt Corinths, das die brutale, ungeschlachte
Außenseite betont, die
der Künstler für den flüchtigen Beschauer
hat, während in früheren

Selbstbildnissen sich mehr das beschauliche
, sinnen de Wesen des Künstlers
zeigt, beispielsweise in dem, das
sich im Novemberheft dieser Zeitschrift
von 1902 findet. Das nämliche
Heft bringt ein Porträt von Corinths
Vater, dem in der heutigen
Nummer ein zweites gegenüber gestellt
wird, das nur ein Jahr später gemalt
ist. Der Unterschied des Ausdrucks
zwischen beiden ist nicht sehr
groß und doch bedeutsam genug.
Dort ein klarblickender, ernster, aber
freundlicher Herr, der breit behaglich
dasitzt, als wolle er sich, im Bewußtsein
treuer Pflichterfüllung, nach harter
Arbeit ausruhen, hier derselbe
Mann in straffer, erwartender Haltung
, die zu künden scheint, daß er
dem Sohne das Beste mitgegeben hat,
was ein Vater seinem Kinde zu bieten
vermag: den geduldigen unwandelbaren
Glauben an eine sieghafte
Zukunft.

Die Zukunft von 1888 ist zur Gegenwart
geworden. Langsam ist die
Wertschätzung Corinths gewachsen;
um so sicherer gegründet steht sie
heute. Und sie wird sich nicht vermindert
haben, wenn nach weiteren
Jahrzehnten seines Lebens wieder
sein Werk überschaut wird. In dieser
Zuversicht liegt die Gewißheit eines
steten Fortschreitens des Meisters begründet
, an dem vielleicht mancher
zweifeln mag, dem ein Fortschritt nur
im hastigen Vorwärtsstürmen erkennbar
wird, der ihn im ruhigen Mitgehen

lovis corinth Zeichnung nicht zu finden weiß.

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