Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 17. Band.1908
Seite: 494
(PDF, 165 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_17_1908/0590
-ss-4^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^=^

oder Tiere male, und so gab ich mich denn
unverdrossen daran. Der Graf drückte unverhohlen
seine Befriedigung aus, ja sein Staunen
, daß ich den Charakter und die eigentümliche
Farbe so treffen könne" etc. etc.

GEDANKEN ÜBER KUNST

„Ich finde es impertinent, daß ein anderer, weil
er ein paar Taler zu vergeben hat, mir sagen kann,
letzt machst da das und das läßt du sein." Schwind

Erst wenn man ein Bild genau angesehen hat,
kann man anfangen, es in Gedanken mit anderen
Bildern zu vergleichen. Aus diesen Vergleichen aber
erst entsteht der Anfang eines Kunsturteils. Nichts
ist unfeiner als die Schnelligkeit, mit der viele Beschauer
über die Arbeit und das Träumen der Künstler
herziehen, als würden sie selbst es in einer halben
Stunde besser machen, — wenn sie nur eben
gerade Maler wären. Alles Ansehen braucht Zeit,
aber diese Zeit verlohnt sich, denn sie vergrößert

die Welt, in der wir leben. Friedrich Naumann

„Wer es weit bringen will in der Malerei, muß
arbeiten, ob es ihn freut oder nicht. Morgens, mittags
und abends, bis in die Nacht hinein; denn es
ist kein Spiel, sondern harte Arbeit, die er zu treiben
hat.iC Reynolds

lovis corinth

das strumpfba

VON AUSSTELLUNGEN

UND SAMMLUNGEN

"DERLIN. Die Quellen fließen spärlicher, aber in
gleichem Maße scheint auch in der Junihitze der
Durst nach Kunst zu versiegen. Die Kunstsalons
liegen verödet, das Publikum kontrolliert bereits an
Ort und Stelle, ob die und die Landschaft nun auch
wirklich »getroffen« ist. Doch auch die Ueberleben-
den bekommen noch manche unerwartete Freude zu
genießen — allerdings neben vielem, das wohl nur
einer gewissen Ferienstimmung seinen Aufenthalt in
den Galerien verdankt. So hat das Künstlerhaus einer
ganzen Anzahl von Bildern ein Asyl gewährt, denen
man lieber ein stilles, unbeobachtetes Dasein in den
vier Wänden ihres Geburtszimmers gönnen würde,
Doch entschädigen andere Werke für diese Baisse,
so einige recht gute Porträts von Fritz Burger,
bei denen nur an der etwas gesucht originellen Anordnung
etwas auszusetzen wäre. Von Kayser-Eich-
berg sind einige feine, durch die Art der Silhouettenführung
gut charakterisierte Landschaften da, und von
Hans Licht prächtige, von blauem Mondlicht durchflutete
Nachtstimmungen. Ein Herrenporträt von
Schulte im Hofe, ein Damenbildnis von Georg
Ludwig Meyn, sowie Landschaften von Otto H.
Engel seien weiter erwähnt. Neben einigen wackeren
Plastiken von M. Schauss (Kinderporträts) und von
Wilhelm Rex (Taube und Affen) sind wohl die besten
Werke dieser Ausstellung überhaupt die Bronzen
von Herm. Joach. Pagels, besonders ein ganz einfach
bewegter aber sehr ausdrucksvoller
»Diskuswerfer« und eine »Arbeitergruppe«,
vor eine Walze gespannt, von Meunierscher
Wucht und eindrucksvollster Charakteristik.

Aus der Reihe der Künstler, die bei
Keller & Reiner ausgestellt haben (es sind
gute darunter, E. R. Weiß, Curt Hermann),
möchte ich nur einen herausheben, der mit
zwei kleinen Bildern vertreten ist: C. M.
Rebel. »Mänaden« und »Aphrodite« sind
die beiden Werke betitelt, die ein stark ausgeprägtes
Talent, aber ein fast zu scharf
gebändigtes Temperament verraten. Wenn
man will, findet man Anklänge an Böcklin,
vielleicht auch an Unger, aber trotzdem hat
man den bestimmten Eindruck, daß der
Künstler seine Vorwürfe eigen und tief
durchgefühlt, und um die konkreteste Ausdrucksmöglichkeit
mit aller Kraft gerungen
hat. Man möchte solchen Bildern häufiger
begegnen! Bei Schulte sind Landschaften
des verstorbenen Adolf Stäbli (in diesen
Blättern schon vor kurzem besprochen), sowie
eine große Kollektion von Werken des
in München tätigen Engländers Charles
Tooby ausgestellt. Tooby scheint das
Schwergewicht seiner Tätigkeit auf das Tierbild
gelegt zu haben; ich kann seinen Tieren
jedoch weniger abgewinnen als seinen Landschaften
, die oftmals einen sehr feinen Stimmungsgehalt
erkennen lassen. Von den
übrigen Malern, die bei Schulte alle mit
einer ganzen Reihe von Werken vertreten
sind, seien genannt Fritz A. Pfuhle (Berlin
), der Interieurs und Porträts auf ganz
delikate Farben zu stimmen weiß (man denkt
unwillkürlich an Hammershöi), Carl Arp,
dessen gut beobachtete Winterlandschaften
aus dem Engadin als Symphonien in Blau
und Weiß sich darstellen, dem es aber noch
nd (1907) nicht gelungen ist, die tektonische Struktur

494


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_17_1908/0590