Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 18. Band.1908
Seite: 417
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-b^> ALBERT REIMANNS SCHÜLERWERKSTÄTTEN IN BERLIN <^e-

albert reimann-berlin « « ebenholz-falzmesser mit geschnitzten
elfenbein-reliefs und perlmutter - einlagen

AlsdieReimannschenSchülerwerkstättenfürKlein-

plastik vor zehn Jahren gegründet wurden, war vieles
von den Bestrebungen, die jetzt sich durchgerungen haben,
noch im unklaren. Es wurde hier die Verbindung mit den
Dingen des täglichen Lebens angestrebt. Und es ist wichtig,
daß der Weg sofort richtig erkannt wurde. Es kommt nicht
nur auf die neue Form an, sondern ebensosehr auf die Ausführung
. Das Denken im Material wurde dadurch anerzogen
und zugleich so die sinnvolle Prägung des Zweckes im Material
angebahnt, die rückläufig die Form beeinflußt. Um diesen
Lehrgang konsequent durchführen zu können, dem Handwerklichen
wieder einen Boden zu bereiten, gründete der Leiter,
Albert Reimann, im Anschluß an seine Schule praktische
Lehr- und Versuchswerkstätten. So wurde es möglich, daß
der Entwerfende sein Werk selbst formt oder zum wenigsten
bei der Ausführung mittätig ist und den Wandlungsprozeß
vom Rohmaterial zur Kunst- und Gebrauchsform in allen
Stadien mit durchmacht. Er verfolgt, wie seine Werkform einzieht
in das Material, es umbildet und prägt, und er kann von
dieser Art der Begegnung, dem Sich-Einschmiegenden, das
anzeigt, daß das Material der Form gemäß geprägt wurde, und
dem Spröden, Sich-Sträubenden, manche Lehre entnehmen.

Die Prinzipien, nach denen der Leiter seinen Unterricht
gestaltet, sind etwa folgende:

Er lehrt die Schüler und Schülerinnen zuerst vor allen
Dingen sehen, das heißt, in einem Tier, in einer Pflanze das
entdecken, was man etwa Zieltrieb nennen könnte, die organische
Bewegung. Dadurch wird die Phantasie der Natur nahegeführt
und lernt in richtiger Weise aus ihrem unermeßlichen
Vorrat zu schöpfen. Indem sie sich daran gewöhnt, direkt
mit der Natur und ihren ebenso geheimnisvollen wie ruhigselbstverständlichen
Offenbarungen zu verkehren, wird die
Sucht, nachzuahmen, fremde, vielleicht anerkannte Vorbilder
zu kopieren (wozu der Anfänger immer leicht neigt), soweit
das möglich ist, entfernt und ihm der richtige Weg des Lernens
gezeigt. Es wird ihm, ohne viel Worte, sondern mit der Tat,
gezeigt, daß es nicht gilt, auf Krücken zu gehen, sondern
auf eigenen Füßen gesund und kräftig zu stehen. Nicht jeder
kann ein Genie oder ein überragendes Talent sein. Jeder
kann aber die Aufgabe, die er sich selbst wählte, redlich
und ehrlich zu Ende führen.

Danach lernen die Schüler, diese erkannte, organische
Bewegung eines Dinges als Grundlage zu einer vernünftigen,
künstlerischen Gestaltung zu benützen. Sie entdecken die
Formlinie darin und machen sie zum Ausgangspunkt des
Arbeitens, in deren weiterem Verfolg sie dann dahin kommen,
die so gewonnenen Motive einer Komposition sinngemäß
einzugliedern.

links: getriebene
goldene
brosche mit
iris-muscheleinlage
und

perlen
rechts: goldene
brosche
mit malachit.
ausführung:
reimannsche
werkstätten

Dekorative Kunst. XI. 9, Juni 1908.

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