http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_19_1909/0050
FRITZ ERLER
S T. G E O R G (1904)
LENBACH ALS KOPIST UND KUNSTBERATER
DES GRAFEN SCHACK
Von Georg Winkler
Lenbach war oft in Italien. Nie aber hat
er mit solchem Eifer die alten Italiener
studiert, als in den Jahren 1864, 65, 66, die
er im Auftrage des Grafen Adolf Friedrich
von Schack in Rom und Florenz verbrachte.
Damals hat er sich in die Venetianer verliebt
und mit ihnen denBund fürs Leben geschlossen.
Seine Kunstanschauungen und die Malweise
seiner Oelbilder basieren auf jener Zeit.
Die erste Bekanntschaft Lenbachs mit Schack
stammt aus dem Jahre 1863. Lenbach hatte
eben seine Lehrtätigkeit in Weimar aufgegeben.
In seiner Werkstatt drängten sich noch nicht
die Spitzen der diplomatischen und finanziellen
Welt, trotzdem er schon recht gute Porträts
gemalt hatte. Die Frauen insbesondere zeigten
sich seiner Kunst abgeneigt. Seine Genrebilder
erregten zwar großes Aufsehen, fanden aber
wenig Freunde. Graf Schack kaufte den bekannten
, im grellen Sonnenlicht auf dem Rücken
liegenden Hirtenknaben, in welchem Lenbach
20 Jahre vor Liebermann ein kaum zu übertreffendes
Muster realistischer Malerei geschaffen
hat. Eine sehr gute Kopie nach einem
kleinen Rubens der Münchner Pinakothek, die
Schack von Lenbach erwarb, brachte den Grafen
zu dem Plane, die schönsten Bilder der italienischen
Renaissance von dem hochtalentierten
Künstler für seine Galerie nachbilden zu lassen.
Dieser nahm den Vorschlag sehr gerne an, in
Italien gegen ein anfänglich bescheidenes, bald
aber wachsendes jährliches Fixum — im ersten
Jahre 1000 Gulden, im zweiten 1400, im
dritten 2000 Gulden — für den Grafen zu
kopieren.
Zunächst ging er nach Rom, wo bereits Hans
von Marees mit einem Stipendium des Grafen
weilte und Feuerbach und Böcklin ihre ersten
kostbaren Bilder für die Schack-Galerie schufen.
Mit letzterem bezog Lenbach ein größeres
23
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_19_1909/0050