Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 30
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VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^=^

ben und für Sie zu arbeiten. Ende Mai denke
ich dann über Venedig nach München zu reisen
und freue mich außerordentlich auf eine
Besprechung mit Ihnen und ich hoffe, daß Sie
mich noch weiter verwenden können." Die
Sorgfalt, welche Lenbach seinen Kopien widmete
, erstreckte sich auch auf die Auswahl
der Rahmen. Sein Vorschlag, geschnitzte Florentiner
Rahmen für die fünf letzten Kopien
zu verwenden, fand Schacks Beifall.

(Ein zweiter [Schluß] Teil folgt)

fritz erler

fritze, des künstlers sohn (1907)

VON AUSSTELLUNGEN

UND SAMMLUNGEN

DERLIN. Die Galerie Eduard Schulte läßt diesen
Monateineeigenartige Künstlergruppezur Sprache
kommen: »Keve«, eine Vereinigung ungarischer Künstler
. Das Gemeinsame ist eine jugendlich frische Auffassung
, Härte in Form und Farbe, wilde Geberden,
die nicht immer die innere Notwendigkeit verraten.
Der Bedeutendste ist Frischauf, von dem zwei
größere Bilder ein glänzendes Zeugnis geben: Das
eine, vor hellblauem Meer, das mit dem zittrig-heißen
Himmel verschwimmt, ein älterer, braungebrannter
Herr im Strandanzug; ein blendend beleuchteter Steg
führt zu dem Badehäuschen im Mittelgrund zurück.
Das ist wirkliche Sonne, brütende Sommerhitze am

Badestrand. Das andere, »Im Atelier«: Aus dem
dunkeln Raum öffnet sich ein großes Fenster in den
tiefblauen abendlichen Himmel, vor dem sich, grell
beleuchtet, ein junger Mann goldigbraun abhebt. Hier
zeigt sich wiederum die ganz virtuose Beherrschung
der Technik und der Zug ins Monumentale, der alles
Kleine, Störende wegläßt, der sich auf zwei, drei
Hauptfarben beschränkt, dort blau und weiß, hier
schwarz, blau und goldgelb. Neben Frischauf fallen
die andern merklich ab. Nikola sucht durch wilde
Farbenkontraste seine Bilder zu beleben. Aber die
Farben sind weder durch Form noch durch Auffassung
gebändigt, sie erzeugen kein geschlossenes
Bild, geben keine Illusion von Wirklichkeiten, sie bleiben
bunte Oelflecke auf Leinwand
. Benkhard gibt in dieser
Beziehung mehr, wenn er auch
weniger originell ist. Es sind
recht tüchtige Bilder von ihm
da, wie die »Sonnenblumen«,
aber er bringt keine neue Auffassung
. Von dem verstorbenen
Gundel ist ein sehr gutes
Selbstporträt in Sepia zu sehen,
sowie ein eigenartiges Bild, das
er »Märchen« genannt hat:
Knallig bunt gekleidete Mädchen
und ein brauner Kerl in
weißem Hemd, von der Sonne
scharf von vorn beleuchtet, auf
einer dunkelschattigen Wiese.
Im Hintergrund öffnet sich der
Raum ; man blickt zwischen den
Bäumen durch auf einen hellen
Fluß, der sich über die ganze
Bildbreite hinzieht. Zuletzt zwei
Gegensätze: Lohwag, zart,fast
feminin, mit einem Stich ins
Süße. Ein sonnenheller Waldrand
, ein weites Stoppelfeld mit
darüber ziehender Schafherde,
einige etwas flaue Porträte.
Remsey, brutal, unglaublich
hart in den Konturen und düster
in der Farbe. Er verzichtet auf
den Zauber virtuoser Technik.
Für ihn ist die Kunst ein Experiment
in Kurzschrift, eine
Art Bilderrätsel. Vier dicke
schwarze Striche kreuz und
quer über die Bildfläche, diese
geteilt in grau oben und braun
unten, ein Männlein, fast kindlich
gemalt, mit gebogenen Beinen
, die Hände in den Hosentaschen
: Das ist der Frühling.
Eine alte Frau, ohne Ausdruck und Leben, grau in grau,
die Mutter des Künstlers. Und doch, so abstoßend
die Bilder sind, so unkünstlerisch sie anmuten, es ist
etwas drin, eine Suggestionskraft, der man sich nicht
leicht entziehen kann. Diese Experimente bringen
uns weiter, nicht die gefälligen Bildchen. Aber sie
dürfen nicht als fertige Kunstwerke ausgeschrien
werden, sondern man muß sie, wie jene, nehmen als
das, was sie sind: Studien, Bausteine aus neuen Brüchen
, erste tastende Entdeckungsreisen in neue Länder
der Kunst, Länder, neuer, reicher Möglichkeiten.
— Von Siegfried Berndt sind 14 Landschaftsskizzen
ausgestellt, kleine Bilder mit großen Maßstäben
, einige recht gut, andere ungenießbar. Trotz
reichlicher Verwendung von Blau fühlt man bei ihm
keine Luft, trotz dem Goldgelb keinen Sonnenschein.
Aber das kann alles noch kommen, wenn er von

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