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-jr4g5> DIE BEGRÜNDER DER MODERNEN LANDSCHAFTSMALEREI <^*~
JOHN CONSTABLE DAS KORNFELD
Landschaftsbildern genügte ihm als Quelle und
Schatzkammer seines Wirkens. Er ist der liebevollste
Schilderer des heimatlichen Bodens, fern
von allem, was Effekt heißt; er will nur durch den
schlichten Ausdruck, der um ihrer selbstwillen
gemalten Natur, indem er sich an den primitiven
Sinn des Beschauers wendet, Eindruck
hervorbringen. Es gab in der englischen Landschaftsmalerei
ein Gebiet, das Turner so gut
wie unbebaut gelassen und das weder Wilson,
Gainsborough, noch Cozens und Girtin wirklich
erschöpfend zu behandeln gewußt hatten.
Constable wurde der Verherrlicher der englischen
Kulturlandschaft, die er in vollem
Licht, in warmem Leben, für seine Person
selbst in der Natur befindlich, nur in sommerlichem
Schmuck darstellt. In dieser Beziehung
gibt es in der englischen Kunst keinen größeren
Gegensatz wie Burne-Jones, der landschaftlich
kaum etwas malte, was je ein menschliches
Auge gesehen haben konnte. Der kräftig
entwickelte Natursinn der Briten kann nicht
unwesentlich auf Cromes und Constables Einfluß
zurückgeführt werden. Ihm war es nicht
nur vergönnt, das reinste Naturgefühl selbst
zu empfinden und wiederzugeben, sondern dasselbe
auch mit unfehlbarer Sicherheit auf den
objektiven Beschauer des Bildes zu übertragen.
Der Meister hat die englische Natur in Regen
und Sonnenschein mit kräftigen Farben und
leichtem Vortrag gemalt; er wirkt, gleich wie
Daubigny es nach ihm erreichte, wie die Natur
selbst. Alles in allem genommen: er ist ihr
ebenbürtig geworden! Constables Schöpfungen
besitzen eine wunderbare Mischung neuer
Natur- und Weltanschauung auf alter Kunstschönheit
fußend. Obschon er in England
lange Zeit gegen die überkommene Tradition
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