Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 40
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-s-^> DIE BEGRÜNDER DER MODERNEN LANDSCHAFTSMALEREI

kämpfen mußte, errang er endlich den Lorbeer
auf fremdem Boden. Als einige seiner
Arbeiten, darunter das Hauptwerk „Der Heuwagen
" (Abb. S. 43) im Jahre 1824 im „Pariser
Salon" ausgestellt wurden, riefen diese
die höchste Bewunderung hervor. Die neue
Kunstrichtung war für ganz Europa gefunden
und kam im besonderen in Frankreich durch
„die Meister des Paysage intime" zum Ausdruck
.*) Corot und Courbet sind in ihren Gegensätzen
in Constable vereinigt, so daß beide
als Spezialisten des englischen Malers angesehen
werden können. Wenn Corot in gewissem
Sinne den Impressionismus in Frankreich vorbereitete
, so war doch Turner sein erster,
und er bleibt auch heute noch, nach fast
hundert Jahren, sein gewaltigster Exponent. In
der Schule von Fontainebleau differenzierte
sich des englischen Künstlers Vielseitigkeit,
und zwar noch intensiver, als wie dies durch
Constables vorbildliche Werke anfangs geschehen
war. Rousseau besaß Turners Kraft
des Ausdrucks und seinen Wagemut, an Probleme
heranzutreten; Dupre gleicht ihm in
Behandlung des Himmels und der Atmosphäre.
Während Crome und Constable von der Dichtung
nur durch die den Kultus der Natur

*) Siehe diese Zeitschrift, Jahrgang 1903/04,
Seite 225 u. f.

und die Analyse des Herzens an Stelle des
Klassizismus setzende „Seeschule" Anregungen
empfingen, wurde Turner ebenso durch politische
und geschichtliche Ereignisse, wie durch
Byron, Thomas Moore, Shelley und Walter
Scott, ja sogar durch Boccaccio beeinflußt.

Joseph Mallord William Turner (1775 bis
1851) wurde in London geboren und nach einer
mit Auszeichnung beendeten Lehrzeit in der
Akademie entwickelte sich sein Künstlertum
zu einer Kometenlaufbahn, die alle vorangegangenen
großen Landschafter hinter sich zurückließ
. Nachdem er zuerst anClaudeLorrain
und ältere Niederländer Anlehnung gesucht
hatte, drang sein Genie durch alle Darstellungsgebiete
und Vortragsweisen hindurch bis zur
Anstrebung des fast Unmöglichen in Bezug
auf Lichteffekt und Farbensymphonie. Staunenswerte
Kenntnis der Natur und unbedingtes
Gebieten über alle technischen Hilfsmittel
bekunden sich in seinen Werken. Man kommt
zu dem Schluß, daß im Vergleich zu Turner
Claude die Sonne zaghaft malte, während
ersterer ihr kühn in das Antlitz schaut: Nec
soli cedit!

Was für die klassische Bildniskunst in England
*) Holbein und van Dyck gewesen, das

*) Siehe diese Zeitschrift, Jahrgang 1906 7, Seite 153
u. f. und Jahrgang 1907 8, Seite 313 u. f.

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