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-sr4^> DIE BEGRÜNDER DER MODERNEN LANDSCHAFTSMALEREI <^=^
Stil die Figuren in der Manier Teniers und
die Kriegschiffe aus der Zeit v. d. Veldes.
Um die historische Wahrheit hat Turner sich
nie viel gekümmert. Selbst ein ganz nahe
liegendes geschichtliches Ereignis, „Nelsons
Tod bei Trafalgar" (Abb. S. 45), 1808 gemalt,
gab er in völlig freier Behandlung wieder; das
Bild sei ja gewiß an und für sich ein Kunstwerk
, indessen, klagten schon damals die Fachleute
, weder die Lokalität, die Schiffe und
Mannschaften, noch die eigentliche Schlacht
selbst, sei mit irgend welchem Anspruch auf
historische Treue dargestellt.
Das Jahr 1815 nimmt eine denkwürdige
Stelle in dem Entwicklungsgange Turners ein.
Er gibt uns zunächst in dem Gemälde „Die
Newark Abtei" (Abb. S. 50), die er gemeinschaftlich
mit Walter Scott besuchte, ein rein
englisches Landschaftsbild; dann vollendet er
die „Walton-Brücke" (Abb. S. 48), eine Szenerie,
die schon um eine Nuance weniger englisch
gestimmt ist, und in der die Aufmerksamkeit
des Beschauers gleichmäßig zwischen Natur
und Tierwelt geteilt wird, so daß, wie später
bei Troyon, beide Elemente ein einheitliches
Ganzes bilden. Trotzdem der Künstler seine
Reise nach Italien erst 1819 antrat, gab er
einer englischen, gleichfalls 1815 angefertigten
Landschaft „Durchschreiten des Baches" (Abb.
S. 46) in vorausgeeilter Vision einen italienischen
Charakter. Der Gesamtton des Bildes ist
schließlich zu dunkel, um einen vollständig
südlichen Eindruck hervorzurufen. Es handelt
sich hier um das kleine, die Grenze zwischen
Devonshire und Cornwall bildende Flüßchen
Tamar. Wirklich in den Süden versetzt uns
der Meister noch am Ende desselben Jahres
durch seine sogenannte „Dido und Carthago"-
Serie.
Turner leitet diesen Zyklus ein mit dem
Bilde „Dido und Aeneas" und bringt sie zu
ihrer Höhe in „Dido baut Carthago" (Abb.
S. 52), „Der Verfall Carthagos", „Regulus
verläßt Carthago" und „Dido rüstet die Flotte"
aus. Alles in diesen Gemälden, besonders das
blendende, auf dem Wasser spielende und
glitzernde Sonnenlicht, ist mit höchster malerischer
Potenz gegeben; eine rekonstruierte Stadt
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