Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 44
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~5^> DIE BEGRÜNDER DER MODERNEN LANDSCHAFTSMALEREI <^xp~

J.M.W. TURNER SONNENAUFGANG BEI NEBEL

mit schimmernden Palästen, getragen von Renaissancesäulen
, steigt zauberhaft aus dem
Meere empor. — Alles, nur nicht Carthago!
Dieses ist ihm sympathisch als Vormacht und
Beherrscherin des Meeres, allein gleichzeitig
will er vor Rom (Frankreich) warnen. Ebenso
historisch und topographisch unrichtig ist das
Bild „Agrippina landet mit der Asche des
Germanicus" (Abb. S. 47) erfunden, in welchem
der Meister das in einen poetischen Lichthauch
gehüllte alte Rom vor unseren Augen
entstehen läßt. Die Gesamtstimmung, nicht
die Personen bilden bei ihm, gleich wie
bei Claude, den Schwerpunkt im Gemälde,
allein er übertrifft diesen in den feinen Abstufungen
des Lichts und auch dadurch, daß
er die Schatten nicht schwarz, sondern in
Farben gibt. Ferner erkannte Turner den
Vorteil einer prismatischen Farbenzerlegung
und gab infolgedessen keine gemischten Farben,
sondern ließ den Mischungsprozeß durch komplementäre
Farben sich auf der Netzhaut des
Auges vollziehen.

Als ein Beispiel aus der Zeit, da der Meister
in eigner Manier sich betätigte, der Natur
als Vorwand nicht mehr bedurfte, sondern sie

so darstellte, wie er sie zu sehen wünschte,
mag die wundervolle, phantastisch-kaleidoskopische
Komposition „Ulysses verspottet den
Polyphem" (Abb. S. 49) dienen. Auf das Gemälde
fällt von allen Seiten Licht, und vollster
Sonnenschein läßt die herrlichsten phosphoreszierenden
Farben entstehen. Drei Jahre
später (1832) kommt eine Gruppe von Werken
zustande, deren Mittelpunkt die Schwesterbilder
„Childe Harolds Pilgrimage" und die
,,Bai von Bajae" (Abb. S. 33) bildet, beide in
Schönheit ruhende und in goldenem Sonnenschein
gebadete italienische Landschaften.

Nachdem der Meister Italien verlassen, sehen
wir ihn wiederum mit nationalen Sujets beschäftigt
. In seinem 1839 vollendeten Werk
,,The fighting Temeraire" (Abb. S. 51), einem
außer Dienst und zum Verkauf gestellten
Schlachtschiffe Nelsons, erhalten wir, unter
Beiseiteschiebung aller historischen Nebenumstände
, ein prachtvolles Seestück in herrlichsten
Farben, und in tiefstem Kontrast mit der
schwermütigen, in silbergrauen Tönen gemalten
Marineszenerie „Das Seebegräbnis David
Wilkies in der Höhe von Gibraltar" (Abb. S. 53).
Den bezüglichen Kommentar liefert Turner

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