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LENBACH ALS KOPIST UND KUNSTBERATER DES GRAFEN SCHACK
dieses Monats werden die vier Bilder von
hier abgehen können; wir arbeiten und feilen
nach, jedeGaleriestunde benutzend, im größten
Eifer, um unsere Aufgabe so gut als möglich
zu lösen. Die Leinwand zum Reiter-Porträt
Karls V. ist präpariert und das Bild aufgezeichnet
, es wird eine herrliche aber sehr
schwierige Aufgabe. Am Original ist viel
restauriert, ja ganze Stücke in der Luft neu
eingesetzt; wie ich hörte, soll dieses Bild am
Anfang dieses Jahrhunderts durch einen Brand
so beschädigt worden sein. Ich schreibe Ihnen
die Maße der vier Bilder, im Falle Sie etwa
die Goldrahmen dazu jetzt schon bestellen
wollen."
Um Worte zu sparen, skizziert Lenbach an
dieser Stelle die vier Bilder mit Tinte aus
dem Gedächtnis, trotz der Flüchtigkeit so
treffend, daß jede Skizze den Eindruck des
Gemäldes in interessanter Weise wiedergibt,
und versieht die Längen und Breiten derselben
mit den gewünschten Maßen. —
„Morgen muß ich wieder Geld erheben; ich
nehme wieder 1000 Frcs., um nicht zu viel
Zeit zu verlieren, da der Bankier nur in den
Museumsstunden seine Bureaux offen hat."
„Madrid, am 28. Januar 1868.---
Vor einigen Tagen wurde Karl V. wieder in
einen anderen Raum gebracht, in den Restaurationssaal
, der dem Publikum nicht zugänglich
ist. Es sieht in diesem Raum ganz bezaubernd
aus. DieKopie machtaußerordentlich
viel Umstände: ein Mann muß mir immer an
der Seite sein, auch Ernst muß einige Zeit
helfen; Gerätschaften aller Art mußte ich erst
machen lassen, da das Museum ein so großes
Bild zu kopieren nicht eingerichtet ist. Die
Auslagen sind sehr bedeutend; morgen muß
ich schon wieder zum Bankier gehen. Wenn
Sie hierher kommen, werde ich genaue
Rechenschaft ablegen. Die Begünstigung von
seiten des Direktors ist eine außerordentliche
— er riskiert förmlich seinen Posten. Die
Opfer werden vergessen werden, wenn, wie
ich hoffe, das Bild so ausfällt, daß es in
Deutschland als eines der merkwürdigsten
Bilder aufgestellt werden kann."
Für Lenbachs kolossale Arbeit zeigte Schack
das größte Interesse und auch später rechnete
er es ihm als nicht hoch genug zu
schätzendes Verdienst an, das Original auf
so meisterhafte Weise reproduziert und dasselbe
einem größeren Kreise zugänglich gemacht
zu haben. „Er erzählte mir," so sagt
der Graf in dem Buche über seine Gemäldesammlung
, „er habe sich, während er an der
J. M. W. TURNER DIDO BAUT KARTHAGO
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