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-^^> DIE GROSSE BERLINER KUNSTAUSSTELLUNG 1908 <^p-
victor gilsoul kanal in flandern
Große Berliner Kunstausstellung 1908
heraus zu lösen; es sind Versuche, wie sie
ähnlich Michelangelo, Dürer und zuletzt etwa
Marees angestellt haben. Wie aber hier das
archtitektonische Gerüst mit innerlichstem
Leben ausgefüllt wird, und beides zu prägnantestem
Ausdruck der Funktionen sich verbindet
, das ist meisterhaft und mehr als das
übliche Spielen mit der Form lediglich als
optischem Wert. Ernstestes Wollen steckt in
diesen Bildern und Kartons, wenn auch schließlich
das Können für die Darstellung nicht gänzlich
ausgereicht hat.
Zwei sehr erfreuliche Säle hat uns die Vereinigung
Norddeutscher Künstler beschert. Größere
Gegensätze sind kaum möglich, als sie etwa
die Bilder von Heinr. Vogeler mit ihrer
minutiösen Kleinmalerei, die breitfleckig gemalten
Landschaften von Arthur Illies, dann
wieder die zart verwaschenen Töne Alfred
Mohrbutters und diegroßen, schweren Schildereien
L. Dettmanns nebeneinander vorführen
. Wenn wir noch Ernst Eitner, Otto
Modersohn und Fritz Overbeck mit seiner
wundervoll weiträumigen Landschaft (Abb.S.57)
nennen, so dürfte hier das Beste erwähnt sein.
Die Kunst Hans Ungers (Abb. S. 61), der
mit den „Elbiern" vereint auftritt, ist in diesen
Blättern schon des öfteren gewürdigt worden.
Gute Landschafter, wie Arthur Bendrat,
gehören weiter zu dieser Gruppe; auch Werke,
wie die „Brautjungfern" von Aug.Wilckens
(Abb. S. 75) und das rote Damenporträt von
William Krause sind wohl zu beachten.
Besondere Säle zu Kollektivausstellungen
hat man mehreren Künstlern bewilligt, unter
denen wir nur Fr. Kallmorgen hervorheben
wollen, der seine neuesten Werke, vornehmlich
holländische Motive mit vorzüglichen Luftstimmungen
, hier vorführt (Abb. S. 58).
Eine ganze Anzahl Kabinette werden von
der Schwarz-Weiß-Ausstellung und vom Verband
Deutscher Illustratoren eingenommen; —
eine eingehende Würdigung ist leider an dieser
Stelle ausgeschlossen. Ebenso muß die Architektur
-Abteilung und die Ende-Gedächtnis-Ausstellung
unberücksichtigt bleiben, und von der
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