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-^r4^> wie entsteht ein künstlerlexikon?
ersten Bande ihres auf den Umfang von
20 Bänden berechneten Werkes an die Oeffent-
lichkeit treten, der das einmütige Lob der
Kritik des In- und Auslandes erfuhr. In diesen
Tagen ist der zweite Band erschienen, der den
Schluß des Buchstabens A und den Anfang von
B enthält. Jedes Halbjahr soll ein Band herausgebracht
werden, so daß in ca. zehn Jahren
das Werk vollendet vorliegen wird.
Die Anfänge des Meyerschen Lexikons liegen
ein Menschenalter zurück. Kein Wunder, daß
das Programm des alten Lexikons, gemäß den
bedeutsamen Fortschritten, die der ganze Betrieb
der Kunstwissenschaft seit diesen letzten
30 Jahren durch Archivforschung, moderne
Kritik und die Popularisierung der Photographie
erfahren hat, für das neue Werk einer
durchgreifenden Aenderungunterzogen werden
mußte. Die oft recht langatmigen biographischen
Auslassungen bei Meyer konnten unbeschadet
gestrichen werden. Vor allem aber
mußte von vollständigen Oeuvreangaben abgesehen
werden, wie sie Meyer, namentlich
zu Anfang, vielfach zu geben versucht hatte.
Im übrigen bestrebte man sich, alle Vorzüge
des alten Lexikons in das neue Werk mit
herüberzunehmen, ohne doch keinen der Artikel
des Vorgängers unrevidiert zu lassen. Der
Zeitraum, den das Thieme-Beckersche Lexikon
umfaßt, reicht von der Antike bis auf die
neueste Gegenwart. Die geographischen Grenzen
aber sind weiter gesteckt als bei Meyer,
indem auch die ostasiatische Kunst mit in
ihren Bereich gezogen ist. Durch die Gewinnung
zahlreicher auswärtiger Gelehrter zur
Mitarbeiterschaft ist es gelungen, auch die
Künstler des Auslandes so gründlich und mit
so umfassender Sachkenntnis zu behandeln,
daß kein fremdländisches Lexikon über das
begrenzte Gebiet der Künstler seiner Sprache
besser orientierte als das Thieme-Beckersche
Werk. Der Begriff „Künstler" ist für die
älteren Zeiten sehr weit gefaßt. Neben Malern,
Bildhauern, Architekten und den graphischen
Künstlern findet man die Vertreter sämtlicher
Zweige des Kunsthandwerkes, soweit wirklich
künstlerische Produktion vorliegt, verzeichnet.
Die Maler, sowie die Bildhauer in Stein und
in
MAX BAUMBACH DISKUSWERFER
Große Berliner Kunstausstellung 1908
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