Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 70
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_19_1909/0105
-sr^s- wie entsteht ein künstlerlexikon? <^=^

der Aufnahme lieber zu weit- als zu engherzig
zu verfahren, selbst auf die Gefahr
hin, manchen Namen dabei dem Dunkel der
Vergessenheit zu entreißen, der vielleicht die
Bezeichnung „Künstler" nicht ganz verdiente.
Läßt sich doch für die ältere Zeit eine scharfe
Trennung im modernen Sinne zwischen Künstler
und Handwerker gar nicht durchführen.
Für die Moderne dagegen mit ihren maschi-

men, um den die wahrhaften Künstler zu kurz
kämen.

So stellt sich die Zusammensetzung des
Lexikons als ein großer Sammel-, aber auch
zugleich als großer Sichtungsprozeß dar. Die
Spreu ist vom Weizen zu trennen, und so
kann allein in der Tatsache der Aufnahme
eines Künstlers in das Lexikon zugleich ein
Qualitätsurteil ausgesprochen liegen. Im üb-

HANS THOMA

ALTER SAMANN

Große Berliner Kunstausstellung 1908

nellen Betrieben machte sich gerade unter
den Kunsthandwerkern eine starke kritische
Auslese notwendig. Aber auch unter den
Malern und Bildhauern erforderte die Ueber-
fülle der heutigen Kunstproduktion eine Auswahl
. Die Aufnahme jedes malenden oder
meißelnden Dilettanten, oder die Berücksichtigung
jedes Malweibchens wäre, sofern es
sich nicht um ein wirkliches Talent handelt,
nicht nur gegen alle Verabredung und für
die Welt vollkommen unnütz, sondern würde
auch viel kostbaren Raum in Anspruch neh-

rigen hat man das Prinzip möglichster Zurückhaltung
in der künstlerischen Beurteilung
durchgeführt, mit wenigen Worten nur den
objektiven Tatbestand auch in dieser Hinsicht
festzustellen gesucht. Denn wie schnell wandelt
der Geschmack und mit ihm die künstlerische
Bewertung! Hier sich in subjektiven
Gefühlsergüssen zu ergehen, hieße nur
das Werk einer schnellen Veraltung aussetzen.
Das Meyersche Lexikon bietet nach dieser
Richtung manches abschreckende Beispiel.
Dieser der kritischen Elimination voran-

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