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FREIE KUNST IN DER HESSISCHEN LANDESAUSSTELLUNG 1908
otto heinr. engel
sommersende
Ausstellung Darmstadt 1908
(Abb. S. 94). Wie schön, daß diese letzteren
beiden Bilder dauernd in Darmstadt bleiben;
das erste kommt durch Ankauf, das zweite
als Geschenk des Künstlers in Besitz des
Landesmuseums. Mehr aber noch als diese
Darstellungen aus dem eigentlichen Studiengebiet
Bantzers will diesmal die Lösung einer
ihm ferner liegenden Aufgabe gefallen, das
stille, mit wirklich wundervoller Innigkeit und
Schlichtheit gegebene Bildnis seiner jungen
Gattin im schwarzen Kleide. Wilhelm Thielmann
steht künstlerisch dem Lehrer und
Freunde nahe, aber nicht im Sinne einer unpersönlichen
Gefolgschaft. Die Kraft und
Frische seiner Beobachtung wahrt völlige
Selbständigkeit, und den rechten Begriff von
des Künstlers vielgewandtem Können erhält
man erst, wenn die prüfende Betrachtung
außer den schönen Bildern von Schwälmer
Bauern und Bäuerinnen (Abb. S. 82 u. 87) sich
auch den landschaftlichen und figürlichen Radierungen
zuwendet. In den Schwälmer Typen
und Szenen des jungen Frankfurter Malers
Emil Beithan wirkt der Einfluß der Trübner-
Schule. Die Wirklichkeitserscheinung ist
durchaus überzeugend (s. Beilage), aber in der
Farbe ist noch manche Härte zu mildern.
Richard Hölschers Name wird nun auch
auswärts mehr und mehr nach Gebühr eingeschätzt
. Die Umgebung seines oberhessischen
Heimatstädtchens Alsfeld hat er in
schönen, ausgeglichenen Landschaftsbildern
geschildert, und die Leute, die ihm dort in
Dörfern und auf den weiten prachtvollen
Wiesengründen begegnen(Abb. S.90u.95),malt
er mit einer schlichten, eindringlichen Kraft,
die von der Liebe für Heinz Heim und wohl
auch Leibi ursprünglich ausgegangen ist, nun
aber den bestimmten eigenen Ausdruck gefunden
hat. Auch die Bauernbilder E.Giebels
sind in ihrer Einfachheit sympathisch. Wie
glücklich meidet die Darstellung von „Großvater
und Enkel" (Abb. S. 89) die Gefahr, ins
Weichliche und Süßliche des „Genres" übelen
Andenkens hineinzugeraten! Die oberhessische
Landschaft ist nur spärlich vertreten im Ver-
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