Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 98
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VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN

Auf K. Hagemeister und seine stenographischen
Landschaftsberichte haben wir schon früher hingewiesen
; eine neue Reihe seiner Bilder zeigt mit
größerer Eindringlichkeit das eigentümliche Wollen
seiner dekorativen Malereien, die als Experimente
gewiß interessant sind, aber keinen anderen Wert
als den einer Episode behalten werden.

Die beste Anschauung von dem vorhin aufgestellten
Gegensatz zwischen Steinhausen und Uhde
gibt des letzteren großes »Abendmahl«, das bei
Cassirer zur Ausstellung gelangt ist. Ein schon
älteres Werk von einer Intensität der Sprache, die
sonst nur wenigen Arbeiten des Künstlers zu eigen
ist. Unter den unzähligen Darstellungen des Vor-

wilhelm bader bildnis einer burgersfr

Ausstellung Darmstadt 1908

ganges steht es jedenfalls mit an allererster Stelle.
Ulrich Hübner zeigt sich in seinen Park- und
Seebildern immer von derselben gleichmäßig guten
Seite. Daß er auch als Porträtist ausnehmend Gutes
leisten kann, beweist er durch ein ausgezeichnetes
Damenbildnis, dessen malerische Qualitäten aber
vielleicht noch übertroffen werden durch ein ganz
hervorragendes Interieur. Solche Werke sollte er
uns mehr schenken. Immer von neuem überrascht
die plastische Begabung von Georg Kolbe, von
dem als Bestes diesmal eine prachtvoll groß gesehene
Frauenbüste ausgestellt ist. Die ältere Kunst
ist vertreten durch einen wuchtig-kraftvollen Courbet
und eine Flußlandschaft von Monet.

Keller & Reiner bringen neben einer Kollektion
von Pußta- und Saharabildern des Münchners A.
von Wierusz-Kowalski, sowie Aquarellen von

Gabriel Rogier (Paris) eine Anzahl kleinerer Arbeiten
von der Hand Prof. Otto Lessings. Das
Beste sind jedenfalls einige Porträtbüsten (Otzen,
Joachim), während seine Brunnenanlagen an innerer
Disharmonie kranken die graziös eleganten
Figürchen sind nicht für eine so schwere,
wuchtige Architektur geschaffen, wie sie — an
sich wieder ausgezeichnet — hier gebildet ist. Seine
sonstigen Figuren zeigen gut durchgeführte Bewegungsmotive
und technisch ausgezeichnete Behandlung
.

Das Künstlerhaus hat uns mit der in diesen Blättern
schon besprochenen Wilhelm BuscH-Ausstel-
lung beschenkt, die uns den prächtigen Karikaturisten
als vollberechtigten, oft verblüffend modernen
Maler kennen lehrt. r Schm.

DUDAPEST. Die künstlerische Saison ist
bei uns schon eröffnet, leider wieder mit
Kollektivausstellungen; jetzt fangen schon auch
die Jungen an, ihre kleine Vergangenheit zu
zeigen. Die Reihe fängt an mit Karl Jözsa,
der mit seinen, in der Art von Valloton, in
breiten Massen gehaltenen Holzschnitten auch
in Deutschland bekannt sein dürfte. Jetzt hat
er sich beim Könyves Kaiman als Maler, Pastellist
, Humorist und Radierer vorgestellt. Er
ist aber in seinen Holzschnitten der Stärkste
geblieben. Dann kamen in der Urania drei
blutjunge Maler, V. Nagy, Frecskay und
Halasz, zu denen sich als vierter der ebenfalls
junge Bildhauer Kisfaludi Strobl gesellte
. Hier, wie im Nemzeti Szalon konnten
wir freudig konstatieren, daß die Jungen Fortschritte
machen. Aber mehr können wir über
sie derweilen nicht aussagen. Der in Berlin
wohnende Cesar Kunwald hat sich auch
kollektive vorgestellt. Er ist schon jenseits der
technischen Schwierigkeiten, aber fand seine
persönliche Note noch immer nicht. Dann kam
der Landschaftsmaler Ludwig Szlänyi aus
Szolnok, ein fertiger Künstler, der mit jugendlichem
Eifer seinen Studien obliegt. Endlich
sahen wir von dem unlängst verstorbenen Tiermaler
Bela Pallik seine reiche Nachlaßausstellung
, wo er sich als Vertreter des Kolo-
rismus zeigte. Trotzdem er der Textur-Maler
aus der alten Schule zeitlebens geblieben ist,
wie eben seine Studien beweisen, hatte er auch
mit der Atmosphäre - Malerei einen harten
Kampf zu bestehen. Der Kampf war resultatlos
. Sein Bestes gab er immer mit der minutiösen
Wiedergabe von Textureffekten, was aber
noch heute ein großes und dankbares Publikum
findet. So wurde auch seine Nachlaßausstellung
binnen zwei Tagen verkauft. Jetzt
kommt aber die Winterausstellung, — wir erwarten
Zügel. Nach dem Vörösmarty-Denkmal, wurde jetzt
das Denkmal des Kronprinzen Rudolf von Miklos
Ligeti enthüllt. Natürlichkeit und Lebendigkeit sind
die charakteristischen Elemente der neuen Schöpfung
des jungen Bildhauers, dessen »Anonymus« unstreitig
das beste Monument in Budapest ist. b. l.

T ÜBECK. Prof. Walther Firles großes Gemälde
•L' >Die goldene Hochzeit« ist aus den Zinsen der
Busekist-Stiftung für das Lübecker Museum erworben
worden.

T>ARIS. Deutsche Kunst im Pariser Herbstsalon.

Die Jury des Pariser Salon d'automne erließ im
März heurigen Jahres an die secessionistische deutsche
Künstlerschaft eine halboffizielle Einladung, im
Herbst in Paris korporativ auszustellen. Professor

AU

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