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-^ö> NEUE KUNSTLITERATUR
HEINZ HEIM
JUNGE (ZEICHNUNG)
Ausstellung Darmstadt 1908
mendes. Nun hat er sich gar den »Allotriageist«
als Ziel seiner Angriffe erwählt: er verkennt ihn
aber so gründlich, daß er zwischen ihm und dem
Werdandi-Bund eine Parallele zu ziehen wagt. —
Ueber derartige Ausfälle, welche z. B. auch der
Wilhelm von Diez-Schule gelten, gerät Klein mit
dem Platz, der ihm zur Verfügung steht, in die Enge,
und das, was uns eigentlich die Hauptsache gewesen
wäre: eine ästhetische Analysierung des Corinth-
schen Kunstschaffens, muß mit einigen kaum skizzierenden
, recht oberflächlichen Bemerkungen erledigt
werden. Wir tun also immerhin gut, uns bei
dieser Publikation in der Hauptsache auf das Studium
des sehr guten Abbildungsmaterials zu beschränken
und aus dem Texte nur die unumgänglichen biographischen
und chronologischen Notizen uns zu
erholen. G. j. w.
Oscar Bie, Romantik in Italien. Geb.M.3.—.
Berlin, Verlag von E. Kantorowicz.
Unter dem etwas mystischen Titel »Romantik in
Italien« verbirgt sich nicht mehr und nicht weniger
als ein Michelangelo-Essay. Und zwar geht das so
zu: Bie, ein raffiniert kultivierter Essayist, sagt
folgendes: »Von all diesen romantischen Problemen
, die der Nichtgelehrte nach Italien mitnehmen
möchte, scheint mir heute noch die Entwicklung des
neuen plastischen Menschen das zentralste. An
einem wesentlichen Punkte stößt Antikes und
Modernes zusammen. Das Ideal, die anthropo-
morphe Religion jeder Kunst, spricht sich hier aus.
Der Mensch formt sich sein Abbild. Michelangelo
vollbrachte es, den neuen Menschen zu erwecken .. .<
So haben wir also den Zusammenhang von italienischer
Romantik und Michelangelo, und nun hebt
eine mehr gewandt als tiefgründig geschriebene
Monographie über Buonarotti an, die allerdings, um
sich aus dem Gewimmel von Michelangelo-Aufsätzen
zu erheben, ihre besondere »Nuance« hat: Bie will
als springenden Punkt bei Michelangelo »seine
Kunst im Menschenkörper« sehen. Ganz bleibt er
aber nicht bei der Stange, sondern gewisse blumige
Auen und verschwiegene Seitenflüßchen laden den
Essayisten zu neckischen Exkursionen.
Deutsche Kunsterziehung. Verlag B. G.
Teubner in Leipzig und Berlin, 1908. Geb. M. 2.—.
Dieses Büchlein, das Peter Behrens ausstattete,
hat sowohl eine lehrhafte als propagandistische Absicht
. Es wurde im Auftrage des Deutschen Landesausschusses
für den Londoner Internationalen
Kongreß zur Förderung des Zeichen- und Kunstunterrichts
herausgegeben. Es will für die Zwecke
und Ziele des Kongresses werben, und es will zugleich
lehren, auf welche Richtung der moderne
Kunstbetrieb in der Schule einzustellen ist. Dies
geschieht in der Weise, daß eine Reihe bedeutender
Kunstpädagogen über besonders erkannte und durchdachte
Gegenstände ihres Fachs sprechen. Manche
dieser Aufsätze sind ganz vorzüglich, so der des
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