Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 104
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_19_1909/0143
Deutschen Reich zum Vorwurf: Kaiser Wilhelm, umgeben
von seinen Paladinen, reitet in stattlichem,
fahnenumflattertem Zug nach dem entscheidenden
Sieg bei Sedan über das Schlachtfeld. Als monumentale
Dekoration ist das Gesamtwerk, das eine
gewisse kompositionelle Harmonie verbindet, ausgezeichnet
gelungen. Es ist voll wuchtiger Kraft,
verliert sich nirgends in Einzelheiten und ist, ohne
gerade auffallend zu stilisieren, von geschlossener
Monumentalität. Koloristisch scheint uns namentlich
das Mittelbild gelungen, besonders die Luftmalerei
ist großartig. Nach dieser neuen, glänzenden
Probe seiner großzügigen Kunst dürfen wir Jank als
einen unserer bedeutendsten deutschen Monumentalmaler
ansprechen, den wir gern noch öfter vor solche
Aufgaben gestellt sehen möchten.

OEGENSBURG. Am 18. Oktober hat die denk-
* würdige Feier des Einzuges von Bismarcks Büste
in die Walhalla stattgefunden. Das Kunstwerk, dessen
Abbildung wir oben wiedergeben, ist von Prof. Erwin
Kurz in München geschaffen. In weißem Marmor
aus Serravezza ausgeführt, zählt es zu Kurz' bedeutsamsten
bildhauerischen Leistungen und bietet ein
hervorragendes Beispiel monumentaler Bildniskunst.
Groß und klar, in wuchtiger Einfachheit sind die
weltgeschichtlichen Züge des ersten Reichskanzlers
wiedergegeben. Das Auge unter den mächtigen
Brauen ist geradeaus gerichtet, mit einem weitschauenden
, über Menschen und Dinge gleichsam
hinweggleitenden Blick. Besonders charakteristisch
wirkt der Ausdruck gesammelter Willenskraft in der
Mund- und Wangenpartie. Auf alles Zufällige und
Unwesentliche hat der Künstler verzichtet; einen bejahrten
Mann stellt er dar, doch ohne die realistischen
Merkmale des Greisenalters. Eben dadurch, daß er
ihn mehr zeitlos aufgefaßt hat — etwa so wie die
sagenhaften Helden der Vergangenheit — hat er es
erreicht, der äußeren Aehnlichkeit die innere beizugesellen
, die geistige Gesamtpersönlichkeit Bismarcks
dem Beschauer in überzeugender Weise zum
Bewußtsein zu bringen. Das ist die eigentliche Aufgabe
des historischen Bildnisses; und sie sehen wir
in diesem Falle aufs trefflichste gelöst. — Mit Ausnahme
der rein mechanischen Tätigkeit des Punktierers
entstammt das Kunstwerk in all seinen Einzelheiten
seines Schöpfers eigener Hand; die meisterhafte
Behandlung des Marmors hält sich gleich weit
entfernt von wesenloser Glätte wie von unruhiger
Aufdringlichkeit.

Ein wahrhaft würdiges Denkmal ist dem großen
Kanzler mit diesem stilisierten und doch so lebensvollen
Bildwerk gesetzt worden.

WENEDIG. Am 8. Oktober wurde hier im Volks-
" garten die von Adolf Thiem der Stadt Venedig
geschenkte, von Bildhauer Fritz Schaper geschaffene
Richard Wagner-Büste enthüllt.

Redaktionsschluß: 13. Oktober 1908 Ausgabe: 29. Oktober 1908

Für die Redaktion verantwortlich: F. Schwartz. — Druck und Verlag von F. Bruckmann A.-G. — Beide in München


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