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A. KAMPF
FRIEDRICH DER GROSSE UND DER SCHLAFENDE ZIETEN
grüßen mußte, sich im Bunde mit dem Architekten
zu betätigen. Die Aufträge der Stadt
Aachen, einen Saal des Kreishauses auszumalen
, und der Stadt Magdeburg, einen Saal
des Kaiser Friedrich-Museums mit Fresken
zu schmücken, boten einen Anlaß dazu. Das
Programm war dem Inhalt der Darstellung
nach in beiden Fällen vorgeschrieben. In
Aachen sollte das Wirken der Gewerbe Industrie
und Landwirtschaft im Verein mit den
Segnungen der sozialen Einrichtungen Altersund
Kinderfürsorge, mit Bezug auf den Zweck
des Gebäudes, verherrlicht, in Magdeburg
durch Darstellungen aus der Geschichte Ottos
des Großen die Erinnerung an die glorreiche
Vergangenheit der Stadt gefeiert werden. Soweit
nicht in den Vorschriften über das „Thema"
eine Beschränkung der künstlerischen Freiheit
liegt, bot sich der Phantasie und Darstellungsgabe
des Malers ein freies Feld.
Die Komposition und Anordnung der Bilder,
die Wahl des darzustellenden Momentes bei
den Geschichtsbildern, Stil undTechnik blieben
dem Ermessen des Künstlers anheimgestellt.
Die Art, wie sich Kampf in Aachen seiner
Aufgabe entledigte, ist für seine Auffassung
charakteristisch: Er wählte für die allegorische
Behandlung des Stoffes Motive aus dem Leben
der Gegenwart und behandelte sie in durchaus
realistischem Sinne. Der „gemeinen Wirklichkeit
" werden die Bilder nur durch ihren
geistigen Zusammenhang und die dekorative
Behandlung der Farbe entrückt. Einen Fortschritt
bedeuten die Magdeburger Fresken in
der Komposition, die nachdrücklicher das tek-
tonisch-rhythmische Prinzip betont und mit
der Architektur einen innigeren Kontakt herstellt
als ihn die Aachener Fresken aufweisen.
Freilich wiegt dieser Vorteil kaum die Nachteile
auf, die sich für die Magdeburger Werke
aus einer Verbindung des Kampfschen Realismus
mit Kompositionsprinzipien Rethels ergeben
. Ihre Anwendung verlangt eine stärkere
Stilisierung als sie Kampfs realistischer Auffassung
möglich ist. Den Fresken in Magdeburg
fehlt Rethels majestätische Einfachheit
und Ruhe; es stört an ihnen ein Zuviel an
realistischem, das Modell in die Erinnerung
zurückrufenden Beiwerks, als daß die Vorzüge
der Komposition zu voller Geltung kämen.
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