Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 114
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_19_1909/0155
-^^> ARTUR KAMPF <&$*v

wußte nicht, wie der Plünderung und Vernichtung
der Stadt zu entgehen. Da erbot sich der Aachener
Bürger Vossen, mit einem Magistratsherrn und einem
alten Stadtdiener ins feindliche Lager zu reiten, um
den General um Schonung der Stadt zu bitten und
die Schlüssel der Stadt zu überreichen. In Herve
fand er den General beim Essen mit seinen Offizieren
in einem Privathause. Derselbe wollte von
einer Schonung der Stadt nichts hören und auch die
anwesenden Offiziere verlangten den Marsch auf
Aachen. Sie wollten sich die vielversprechende
Plünderung nicht entgehen lassen. Die Aachener
Herren sahen ihre Sache schon als verloren an, als
ein Offizier namens Mariette, welcher lange Zeit in
Aachen gelebt und dort manches Gute von den
Aachenern erfahren hatte, ins Zimmer trat und beim
General ein gutes Wort für die Stadt einlegte. Die
Franzosen kamen dann auch nach Aachen, es wurde
aber weder geplündert noch gebrannt.

Das Bild stellt den Moment dar, wo der Aachener
Bürger Vossen dem General die Schlüssel der
Stadt anbietet, der General aber glatt ablehnt und
ihm Vorwürfe über das Verhalten der Aachener bei
einem Rückzug der Franzosen durch Aachen, welcher
ein Jahr vorher stattgefunden hatte, machte. Die

A. KAMPF

Franzosen mußten nämlich damals vor den Oesterreichern
einen Rückzug durch Aachen antreten und
wurden dabei von den Aachenern beschossen. Dieses
Verhalten der Aachener war der Grund des Beschlusses
des Nationalkonvents in Paris, Aachen
sollte dafür bestraft werden.«

Für die Beurteilung des Künstlers als Persönlichkeit
gibt die Kenntnis seiner Abstammung
und Erziehung wichtige Aufschlüsse.
Kampf stammt aus Aachen. Ein echter Rheinländer
bekennt er sich mit würdigem Stolz
als Sohn seiner Heimat. Ohne den heiteren,
das Leben stets bejahenden Sinn, das Temperament
und die Energie des Rheinländers, ohne
den Hintergrund der alten rheinischen Kultur
ist Kampf undenkbar. Auf der andern Seite
verleugnet er nicht die Zugehörigkeit zu seiner
Schule. Die Novelle und das Drama
sind als Wesensbestandteile seiner Kunst echt
düsseldorfischen Ursprunges. Daß sie keinen
Mangel an künstlerischer Gestaltungskraft

„ersetzen", unterscheidet
Kampfs Kunst von der
Kunst der meisten älteren
Düsseldorfer. Der Realismus
seiner Darstellung,
der vor nicht allzulanger
Zeit noch „Entsetzen" hervorrief
, reiht Kampf unter
die Nachfolger und Schüler
Menzels ein; zu einem
Vergleich mit ihm fordern
vor allem die Friederizia-
nischen BilderKampfs und
seine Bilder aus den Freiheitskriegen
auf. Menzel
selbst wandte ihm sein Interesse
zu und es ist Kampf
von seinen Gegnern nie
verziehen worden. Er wird
sich trösten, die Zukunft
aber mag entscheiden, ob
er dem Amt, das sein Los
ihm beschieden hat, gewachsen
und ob er berufen
ist, eine Rolle im Kulturleben
der Nation zu
spielen.

GEDANKEN ÜBER KUNST

„Man schätzt nur das, was
auf gleicher Stufe mit der ei-
genenAnschauungsweise steht,
was man eben einsehen kann.
Für das, was darüber hinausgeht
, fehlt einem jeder Maßstab
." Böcklin

Man kann sehr bewandert
sein in derGeschichte der Kunst,
ohne zu ahnen, was die Kunst
eigentlich ist. otto Weiss

SITZENDER MÄNNLICHER AKT

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