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NEUE KUNSTLITERATUR
Heinrich Pallmann. Die Königl. Grap hi-
sche Sammlung zu München 1758 — 1908. Mit
vierAbbildg. München 1908. F. Bruckmann, A.-G.,
Preis Mk. 1.—.
Im Jahre 1758 betraute Kurfürst Karl Theodor
den Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie Lambert
Krähe mit der Aufgabe, die im Besitze des
Kurfürsten befindlichen Kupferstiche und Zeichnungen
zusammenzustellen und sie in einem eigenen
Zimmer der Gemäldegalerie im Kurfürstlichen
Schlosse zu Mannheim der Oeffentlichkeit zugänglich
zu machen. Wie die Mehrzahl unserer großen staatlichen
Galerie dankt also auch die K. Graphische
Sammlung zu München — wie seit 1905 der offizielle
Titel der alten Kupferstich- und Handzeichnungen-
Sammlung lautet — fürstlicher Entschließung ihre
Entstehung. — Der gegenwärtige Direktor dieser
Sammlung Dr. Heinrich Pallmann, der sich
zweifellos die größten Verdienste durch vollständige
Reorganisation der Sammlung erworben hat und
durch diese schwierige und weittragende Tat über
alle bisherigen Leiter der Anstalt hervorragt, hat
das Erinnerungsjahr benutzt zur Veranstaltung einer
doppelten Gabe. Pallmann hat uns in leicht gefälliger
Form eine kurze aber sehr inhaltreiche Geschichte
der Sammlung geliefert und dieser ersten Museumsgeschichte
eine sehr übersichtliche Beschreibung
und Katalogübersicht beigegeben. — Die Geschichte
der Sammlung
ist nicht nur für
Museumsleute
gedacht, nicht
nur für diese interessant
. Sie
wirft bald fesselnde
Streiflichter
auf Kriegsund
Friedenszeiten
,bald aufHerrscher
, Künstler
und Beamte. Wie
die Bestände
wuchsen, wie sie
ergänzt, welche
Künstler bevorzugt
wurden, all
das gibt dieser
Museumsgeschichte
Wert
und Reiz. Wer
immer sich für
die Frage der Po-
pularisierungder
Künste und der
Museen interessiert
, wird in
Pallmanns Geschichte
der K.
Graphischen
Sammlung mit
besonderer Freude
bemerken,wie
die Sammlung
erst in den allerletzten
Jahren
energisch und
zielbewußt die
ihr von Anfang
an gestellte Aufgabe
verfolgt:
eine Stätte der a. kämpf
Anregung, eine Vorbildersammlung zu sein für alle
Kunstfreunde und alle künstlerisch Schaffenden.
Die ferneren Ziele, die Pallmann seiner Sammlung
hier steckt, sind entschieden sehr verheißungsvoll
und aus gesunden und sehr klugen Anschauungen
entstanden, die den Interessen einer staatlichen
Sammlung am besten dienen. Möchte der verdienstvolle
Reorganisator dieser Sammlung von allen Seiten
volle Unterstützung erfahren zum Wohle Münchens
und seiner Künstler aller Richtungen. — Die
Uebersicht über die Bestände der Sammlung ist
immerhin so reichhaltig an Künstlernamen, daß sie
als weitreichende Führung vollauf genügt. Der Katalog
der »Neueren Künstler« führt etwa 300 Namen
auf von lebenden Künstlern, die durch originale
Zeichnungen, Stiche, Holzschnitte oder Lithographien
in dieser Sammlung vertreten sind. Es dürfte kaum
einer unserer größten und tüchtigsten oder meistversprechenden
Graphiker der Gegenwart in dieser
Liste fehlen. — Da es aber immer als beste Empfehlung
des Künstlers gilt, in einer Staatssammlung
vertreten zu sein, wird sich mancher Künstler Pallmanns
Werkchen erwerben — um damit auch eine
Bestätigung seiner staatlichen Anerkennung zu besitzen
. — Auch in anderen als Künstlerkreisen wird
sich der Katalog rasch Freunde machen. Dem wertvollen
und nützlichen Gehalte des Werkchens hat
die Verlagsfirma eine schlichte, sehr ansprechende
Form gegeben und durch die Reproduktion nach
einer Porträtskizze F. A. v. Kaulbachs (dem jüngsten
Porträtdes Prinzregenten
von
Bayern, vomSep-
tember 1908) das
Ganze zu einer
sehr begehrenswerten
Publikation
gemacht.
Hans M a-
ckowsky, Mich
e 1 a g n i o Io.
Berlin, Marquardt
& Co. Broschiert
M. 18.—.
Das Besondere
dieses Werkes
ist der Umstand
, daß es auf
genauen wissenschaftlichen
Forschungenberuht
,
daß aber im Text
alle pedantische
Gelehrttuerei
vermieden ist,
und daß an ihre
Stelle eine flüssige
, leicht hingleitende
Darstellungin
einem
sehr gepflegten
Deutsch trat. In-
soferne hat Ma-
ckowskys Werk
neben den zahlreichen
Michelangelo
-Büchern,
die wir zum Teil
von unseren bedeutendsten
Kunstgelehrten
die Verkündigung besitzen, seine
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