Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 130
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_19_1909/0175
-s?4s£> PETER STACHIEWICZ

die Schläfe hineindrang, mit ihrem Schnäblein
herauszog. Die Mutter Gottes sah es und
seitdem beschützt sie ganz besonders die Lerchen
, die den ganzen Winter hindurch vor

ihrem Throne sitzen und singen--Solche

Sagen aus der polnischen Marienlegende sind
es, die Stachiewicz am meisten gerührt und
angezogen haben.

Den ersten größeren Erfolg, den er erntete,
verdankt er einem Zyklus — denn als Dichter
und Interpret epischer Stoffe spricht sich
Stachiewicz natürlicherweise am liebsten in
Zyklen aus ■— dem halb traurigen, halb humoristischen
Märchen von einem sehr armen,
sehr alten Ehepaar, das Tag und Nacht den
Tod herbeiruft. Als er aber erscheint und
an die Tür klopft, will ihm keines von den
beiden zuerst öffnen: schließlich muß er sich
durch den Schornstein in die Hütte hineinschleichen
. Die Situation wurde hier nicht
von der rein komischen Seite aufgefaßt; in
den Kartons spiegelt sich eher eine wehmutsmitleidsvolle
Stimmung, die an den derberen
Volkston eben nur streift. 1886 entstanden,
wurden die Bilder 1891 in Berlin mit einer
„ehrenvollen Auszeichnung" bedacht.

In demselben (1891) Jahre malte Stachiewicz
in Oel zehn Szenen aus dem Leben der Bergleute
in den Salzgruben zu Wieliczka. Anfangs
erschienen sie als Dioramen auf der Lemberger
Landesausstellung und verfehlten da ihren Eindruck
. Erst später kamen sie zu ihrem Recht,
es sind nämlich tüchtige, zum Teil koloristisch
wirksame Bilder, die Rahmen und helles Licht
brauchen. Eins von der Serie „Letztes Glückauf
" (Begräbnis eines Bergmannes) befindet
sich heute im National-Museum zu Krakau.

Stachiewicz bleibt einstweilen bei der Oel-
malerei. Das Jahr 1892
bringt zwei Szenen patriotisch
-historischen Inhalts:
„Abschied der Sensemänner
" im Kosciuszkos Aufstand
von 1794 (Museum zu
Rapperswil in der Schweiz)
und „Der Weg nach Sibirien
" (seinerzeit reproduziert
in der „Kunst für
Alle"). Doch bald kehrt der
Künstler zu seinem lieben
„Schwarz auf Weiß" und
zwar zu einem sagenhaften
Zyklus zurück: „Winterabende
" (1893). Die Titel
einiger seiner Kartons lauten
: „Märchenerzählen",
„Flecken auf dem Monde",
„EntschlafeneRitterineiner peter stachiewicz

Gebirgshöhle", eine Sage, die mit dem Barbarossa
-Mythus beinahe identisch ist. 1894 und
1895 erscheinen die zwei Zyklen der „Marienlegende
", die eigentlich die große Popularität
des Malers gründeten. Ueber den Inhalt der
grau in grau, nur hie und da leicht gefärbter
Bilder gibt das oben Gesagte Aufschluß.
Sie riefen überall Bewunderung hervor, wurden
im ganzen Lande durch gute Heliogravüren
bekannt. Die Krakauer Akademie der Wissenschaften
krönte sie mit dem Kunstpreis, über
den sie verfügt, das K. K. Kultusministerium
kaufte einen der Zyklen, den weniger gut geratenen
, um ihn dem National-Museum in
Krakau zu überweisen. Seit 1893 war der
große Matejko tot und die provisorische Leitung
der Krakauer Kunstschule sollte ein Ende
haben, ein neuer Direktor ernannt werden.
Es wurde darüber auch mit Stachiewicz verhandelt
, doch wollte er seine eigenen alten
Professoren nicht entfernen. Er blieb bei
seinem persönlichen Schaffen.

1902 verfertigte er 22 halbfarbige Kompositionen
zu „Quo vadis?" Mir dünkt es
aber, als ob einige einzelne Köpfe der Helden
besser gelungen wären. Sie sind mit anderen
Idealgestalten aus den Romanen Heinrichs
Sienkiewicz in vortrefflichen Holzschnitten im
Warschauer „Tygodnik illustrowany " veröffentlicht
worden. Denn Stachiewicz hat ja selbstverständlich
auch sehr viel für Zeitschriften
gezeichnet. Jahrelang war er die Stütze des
genannten Warschauer Blattes, später künstlerischer
Leiter der in Krakau erscheinenden
Halbmonatsschrift „Swiat" (Die Welt), Mitarbeiter
der „Modernen Kunst", „Illustration",
„The Churchman" usw.

Im Jahre 1905 wurden die hier besonders be-

weiblicher akt

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