Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 143
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-b-4^> ZUR MUSEUMSREFORM

Malerei nie Selbstzweck gewesen ist, wie so vielen
anderen, sondern weil er in der Zeit des fanatischsten
l'art pour l'art stets in dem altfränkischen, längst
abgetanen Wahn befangen blieb, daß ein Kunstwerk
nicht nur mit den Sehnerven, sondern auch mit der
Seele angesehen werden solle. Das danken wir ihm
vor allem. — Des weiteren ist bei Schulte ausgestellt
von Gustav Schönleber eine Kollektion Landschaften
von sehr verschiedener Qualität, darunter
die in Jahrg. 1907/08 S. 547 abgebildete schöne Ansicht
von Laufenburg, ferner Landschaften von Albert
Lamm und gute Farbenholzschnitte von Hans
Neumann, München.

Der Kunstsalon Rabl führt ein großes Porträt
von Ed. Manet »Die Pariserin« vor. Eine Dame in
schwarzem Kleid vor grauem Grund, auf dem blonden
Haar ein koketter, schwarzer Hut. Der Ausdruck
des halb stark beleuchteten, halb ganz beschatteten
Gesichts ist recht stumpf, fast blöd, wogegen
die rein malerischen Qualitäten des Bildes,
die Lichtführung, die Behandlung des Stofflichen,
ganz meisterhaft sind und in die beste Zeit Manets
weisen. Ein scharf charakterisiertes Bildnis eines
bartlosen Herrn mit Brille gibt Kunde von der
Schaffensart Menzels in der Mitte der 1850er Jahre,
und von dem für die Kunstgeschichte erst vor kurzem
entdeckten C. Buchholz ist ein sehr delikater
»Thüringer Bauernhof«, — trübe Stimmung, hoher,
grauer Himmel, prachtvolle Tiefenwirkung — ausgestellt
. Max Liebermann ist mit 40 Studien und
Skizzen vertreten, ebenso Otto H.Engel, sowie Carl
Langhammer mit guten Landschaften, die
nur auf die Dauer durch das fast immer wiederholte
Rezept der schräg ansteigenden Silhouette
einer Baumgruppe langweilig zu werden
drohen. r. s.

ZUR MUSEUMSREFORM

Tn den »Preußischen Jahrbüchern« (Band 134,
*■ 1. Heft) veröffentlicht der Berliner Privatdozent
Werner Weisbach einen Artikel,
überschrieben »Kunstgenuß und Kunstwissenschaft
«, der Probleme der Museumsreform
berührt, die früher oder später einer Lösung
entgegengeführt werden müssen. Weisbach
geht von der Ueberfüllung unserer Museen
aus, berührt die Frage der sogenannten Depotmuseen
, denen er mit Recht etwas skeptisch
gegenübersteht, und kommt zu dem Schluß,
daß trotz allen Vollstopfens, trotz unersättlicher
Sammelwut die Museen gewöhnlich nicht
imstande seien, mit ihren Originalen allein
ein abgeschlossenes Bild von einer Zeit oder
einem Meister zu geben. »Zur Ergänzung bedarf
man Reproduktionen nach den nicht vorhandenen
Meisterwerken an anderer Stelle.
Des Wertes von Nachbildungssammlungen ist
sich die Altertumswissenschaft von früh an
bewußt gewesen und hat allenthalben ihre
Gipsmuseen gegründet und systematisch ausgestaltet
.« Weisbach wünscht die Nachfolge
der neueren Kunstwissenschaft auf diesen
Wegen und weist auf den ganz einzigartigen
Wert der Abgußsammlung des Pariser Troca-
dero hin; ihre Bedeutung werde schon durch
ihren Namen ausgesprochen: »Musee desculp-
ture comparee«.» Eine Abgußsammlung«, sagt
Weisbach, »wird nur dann ihren Zweck erfüllen
, wenn sie, streng systematisch geordnet,
Lehrzwecken dienstbar gemacht wird. Sie ist
nicht dem Genuß, sondern dem Studium be- pe

stimmt, und je sachlicher ihre Aufstellung, je einfacher
die Ausstattung der Räume, desto mehr wird
sie ihrer Bestimmung entsprechen. In prunkvolle
Museumsräume läßt sie sich nicht einfügen und
wird dort immer einen falschen Eindruck hervorrufen
.« Entschieden Front macht Weisbach gegen
die Art, wie im Münchner Nationalmuseum Originalbildwerke
und Abgüsse in denselben Räumen nebeneinander
aufgestellt sind. »Die Aufmerksamkeit wird
dadurch von dem Besitzstand der Originale eines
Museums abgezogen, namentlich wenn, wie in München
, einzelne Abgüsse durch die Art der Aufstellung
und Ausstattung der Umgebung sozusagen noch
künstlerisch gehoben erscheinen. Das Gefühl für
die Qualität des Originals muß durchaus erhalten
bleiben und darf durch nichts beeinträchtigt werden.
In einer Abteilung, in der Originale untergebracht
sind, dürfen sich keine Gipsabgüsse vordrängen —
und nun gar dekorativen Effekten zuliebe.«

Noch einer anderen Reproduktionssammlung bedarf
die Kunstgeschichte dringend und diese läßt sich
leichter und weniger kostspielig verwirklichen. »Die
Kunstgeschichte ist nicht zum geringsten eine vergleichende
Wissenschaft, und daher ist ein möglichst
umfangreiches Vergleichsmaterial für sie ein
Haupterfordernis. . . Es muß eine öffentliche Stelle
geben, an der universal und auf Vollständigkeit gesammelt
wird. Die Einrichtung von Photographien-
Archiven ist eine berechtigte Forderung der Zeit.«
Diese Photographien-Archive, meint Weisbach, sollten
nicht Anhängsel der Kupferstichkabinette und

er stach iewicz zeichnung

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