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-ss=4^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^=^-
peter stachiewicz
erhortes gebet
Ernst. Um ihn scharen sich, leider mit sehr ungleichwertigen
Werken, einige derer, die ihm zunächst
Gefolgschaft leisteten, also Johannes Sperl,
Carl Schuch, Hirth du Frenes, Theodor Alt.
Von Leibi selbst sind Dokumente der ganzen Zeit
seiner Entwicklung vereinigt, obwohl die berühmtesten
Hauptstücke in der Hut der privaten oder öffentlichen
Sammlungen verblieben, von denen nur wenige
sich zu Leihgaben entschlossen. Immerhin klingt aus
dem Vorhandenen ein vernehmlicher Mahnruf, klar
und kräftig, gegen alles Problematische und Gequälte
. — Im Kunstsalon Heller führt die in diesem
Jahre gegründete Münchner Walhalla-Gesellschaft
zur Pflege und Förderung vaterländischer Kultur
und Kunst graphische Arbeiten ihrer Mitglieder vor.
Matthäus Schiestl und Ernst Kreidolf sind
nur so beiläufig vertreten; Heinrich Reifferscheid
geht einsamere Wege, wo er sich der Naturbetrachtung
ungehemmt hingeben kann, so daß sich
ihm stille Seelengemälde der Landschaft zu Widmungen
an Mörike und Stifter, die ihm gemütsverwandten
Dichter, gestalten. Stärker, frei in der
Phantasie und im ungebundenen Ausdruck, erscheinen
neben diesen radierten Blättern die von
Albert Welti, der den Torheiten der Gegenwart
satirisch zu Leibe geht oder sie humoristisch ausdeutet
. Weiter vertreten sind in der Ausstellung der
Walhalla-Gesellschaft, die übrigens noch in diesem
Monate eine Ausstellung Karl HAiDER'scher Werke
im Hagenbund eröffnet, Richard Pietzsch und
Hans Röhm. — Den Widerpart zu den mannigfach
bewegten Schwarz-Weißkünstlern hält die, durch ihre
farbigen Lithographien bestens bekannte Hermine
Heller-Ostersetzer (Wien). Ihre neuesten Bilder
aus der Kinderstube und aus dem Landleben zeigen
wieder eine bestimmt zugreifende malerische Begabung
, der alle Verzärtelung und Pose gleich fremd ist.
k. m. k.
VÜRICH. Das hiesige Künstlerhaus veranstaltete
^ kürzlich eine umfangreiche Ausstellung französischer
Impressionisten; 50 Künstler waren mit 102 Bildern
vertreten und es war der Ausstellungsleitung
gelungen, ausgezeichnete Werke aus Galerie- und
Privatbesitz zu erhalten und so ein wirkliches Bild
der Leistungen der impressionistischen Schulen zu
geben. Vertreten waren: Boudin, Cezanne, Degas,
Gauguin, Guillaumin, Guys, Jongkind, Lepine, Manet,
Manfra, Monet, Pissarro, Renoir, Sisley, Toulouse-
Lautrec. Eine reiche Kollektion von Werken der NeoImpressionisten
, darunter Bonnard, Cross, Denis, van
Gogh, Luce, Maillol, Puy, Rysselberghe, Signac, Val-
lotton, Vuillard schloß sich an.
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