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NEUE DENKMÄLER UND BRUNNEN
T EIPZIG. — Anfang Oktober wurde der auf dem
*^ kleinen Platz am Ratskeller-Eingang aufgestellte
Brunnen von Georg wrba-Dresden enthüllt (siehe
Abbildung S. 151). Daß man diese Aufgabe dem
Schöpfer der übrigen Plastik am und im Rathaus
übertragen hat, ist ein glücklicher Gedanke; denn
man kann sich schlechterdings nicht denken, daß ein
anderer imstande gewesen wäre, ein in sich abgeschlossenes
plastisches Werk der Architektur so intim
anzugliedern, wie das hier Wrba getan hat! Der
Gürtel von Putten und Tieren über dem Postament
des barocken Säulenschaftes und das Spiel des
Wassers sind sehr lustig. Durch die dünnen Strahlen
wird ein wundervolles Rauschen erzielt, das man
namentlich im Sommer, wo mehr Sympathie für
das Wasser vorhanden ist, besonders angenehm empfinden
wird. Im übrigen mag die Abbildung für
sich sprechen.
T INZ. Franz Metzners Stelzhamer-Denkmal
(siehe unsere gegenüberstehende Abbildung).
Als es bekannt wurde, daß aus der vom österreichischen
Unterrichtsministerium veranstalteten
Konkurrenz um ein Denkmal für den Volksdichter
Franz Stelzhamer ein Entwurf Franz Metzners
siegreich hervorgegangen sei, mag mancher Freund
des genialen Plastikers zwischen der schlichten
Volkstümlichkeit des Vorwurfes und der monumentalen
Wucht und architektonischen Strenge Metz-
nerscher Konzeptionen einen Widerspruch befürchtet
haben. Nun steht das Werk vollendet da und
die Zweifel haben einmütiger Bewunderung und begeisterter
Zustimmung Platz gemacht. Es hat sich
wieder einmal gezeigt, daß das Genie keinen Stilwechsel
kennt, um der Differenzierung seiner Probleme
Herr zu werden. Metzner blieb auch bei der
Darstellung des volkstümlichen Dialektdichters, die
in glücklichster Frische und Unmittelbarkeit einen
Moment aus dessen langjährigen poetischen Wanderschaft
heraushebt, ganz in dem Bannkreise seiner
machtvollen Formen und architektonischen Visionen,
und hat doch das Allgemeinmenschliche des Stoffes
ebenso voll auszuschöpfen gewußt, wie dessen intimste
und persönlichste Reize. — So steht dies
neue Denkmal in dem lieblichen Donaustädtchen
Linz wie eine Frühlingsverheißung da. Ein vorbildliches
Werk in jedem Betracht. Vorbildlich vor
allem in der Behandlung des Materials. Wer diese
Fülle flutender Formen in so wundervoll ergreifender
Ruhe gebannt sieht in das Gesetz der Bronze, sagt
sich, daß hier der wahre Adel dieses Materials
nach langer Verkennung und Mißhandlung wieder
entdeckt worden ist. Vorbildlich durch die einfache
Größe, in der hier das architektonische Problem
der menschlichen Gestalt an sich und in ihrer Verbindung
mit dem tragenden Unterbau erfaßt ist;
und nicht minder durch die Auflösung des figu-
ralen Beiwerkes in architektonisches Ornament.
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