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-tt4^> NEUE DENKMÄLER — NEUE KUNSTLITERATUR
Man beachte, wie in diesem stilisierten Kinderfries
die ganze Innigkeit Adam Krafftscher Realistik
wieder auflebt. Vorbildlich vor allem aber durch
die meisterhafte Lösung, die hier das bisher von
keinem Denkmalsplastiker begriffene Problem des
modernen Männerkleides gefunden hat. Metzner
hat uns gezeigt, daß man weder zum übel angebrachten
Pathos klassizistischer Vereinfachung, noch
zu den Verkleidungskünsten des Theaterkostümiers
zu greifen hat, um unseren Bürgerrock mit den
Stilgesetzen der Denkmalsplastik in Einklang zu
bringen. Dr.a.Kastil
ANSBACH. Neuer Brunnen von Fritz Behn.
Seit dem Wettbewerb um das Ansbacher Brunnendenkmal
sind zwei Jahre vergangen. Ursprünglich
war als Motiv der den architektonischen Aufbau
krönenden Gruppe St. Georg als Drachentöter gedacht
, jetzt erscheint an dieser Stelle das nicht weniger
ausdrucksvolle Bild eines Jägers hoch zu Roß,
der einen Bären erlegt. Behn hat die Aufgabe, an
einen bestimmten Platz einen Brunnen zu setzen,
der sich harmonisch in die Umgebung eingliedert,
vortrefflich gelöst. Im Aufbau des Brunnens und
in seiner ausdrucksvollen Formensprache klingt der
Rhythmus der Linien und Kurvenwelt des Ansbacher
Barockstils vernehmlich hindurch, ganz besonders
aber in der lebhaften und kühnen Silhouette der
Gruppe. Die bewegten Kurvenlinien der Silhouette
ergeben einen äußerst reizvollen Kontrast zu dem in
strenger Linienführung gehaltenen geometrischen
Bilde der Fassade des Präsidialgebäudes. Der neue
Brunnen erscheint darum nicht als Fremdkörper im
Platze, sondern als ein organisches Glied desselben,
dem eine ganz bestimmte Funktion zukommt: nämlich
eine harmonische Verbindung mit dem Schlosse
und der übrigen Umgebung herzustellen. Der Brunnen
fügt sich organisch in das Ansbacher Stadtbild
ein und er fügt zu den vielen schönen Ansichten
ein neues reizvolles Bild hinzu. a. h.
"W/IEN. Auf dem Grabe ihres vor drei Jahren im
" Patriarchenalter verblichenen Ehrenpräsidenten
Rudolfs von Alt hat die >Sezession< ein schönes
und stilvolles Denkmal enthüllt, das ihr Mitglied
Josef Engelhart geschaffen hat. Das Monument,
in Bronzeguß ausgeführt, symbolisiert die Huldigung
der künstlerischen Jugend vor den Manen Alts: die
Gestalt eines in griechische Gewänder gehüllten
Jünglings steht ernst auf das Grab blickend auf dem
einfachen Sockel und bietet dem Meister einen goldenen
Blütenzweig.
NEUE KUNSTLITERATUR
B.Zuckerkandl. Zeitkunst Wien 1901 — 1907.
Mit einem Geleitwort von Ludwig Hevesi. Geb.
M. 6.—. Verlegt bei Hugo Heller & Cie., Wien und
Leipzig 1908.
Daß Josef Hoffmann den Umschlag des Buches
entworfen und Gustav Klimt eine Zeichnung zur
Reproduktion beigesteuert hat, dadurch gaben diese
Führer der >äußersten Linken« der Wiener modernen
Kunstbewegung schon äußerlich eine Kennzeichnung
der nun folgenden Sammlung von Aufsätzen. Soweit
die Verfasserin darin fremdländische Erscheinungen
behandelt, erscheinen diese nur insoferne
von Belang, als sie auf heimische Verhältnisse eine
Beziehung gestatten. Ueber das Werden und Kämpfen
der Gruppe von Künstlern, welche heuer die »Kunst-
schau« veranstaltet hat, wird man da ausgiebig unterrichtet
, indem auch Unterströmungen, die freilich
oft entscheidend wurden, an die Oeffentlichkeit gelangen
. Der Eingeweihte weiß, wie einseitig alle
Streitfragen durch die vorliegenden Feuilletons zur
Diskussion gestellt und beantwortet werden. Die
Wort-Ekstasen und die durch das Verlangen nach
möglichst viel Akzenten zerrissene Satzfügung werben
fanatisch für die Partei. Der Wert eines solchen
Dokuments läßt sich an dem ermessen, was von
dessen Forderungen in unserer schnellebigen Zeit
stichhaltig geblieben ist oder sich durchsetzend seine
Erfüllung gefunden hat. k.
Karl Kimmich. Die Zeichenkunst.
2. Bde. 2. Aufl. Leipzig, bei G. J. Göschen. 1908.
Gebunden Mk. 25.—
Dieses schöne zweibändige Werk, das nun schon
in zweiter Auflage vorliegt, enthält eine methodische
Darstellung des gesamten Zeichenwesens; es ist
also eine Zeichenschule im besten Sinn. Vor allem
ist es für die Zwecke der Praxis eingerichtet —
theoretisch - ästhetische Betrachtungen enthält eigentlich
nur das erste Kapitel, das aus der Feder Konrad
Langes in Tübingen stammt und sich »Zur Ästhetik
des Zeichnens« äußert. Kimmich hat sich ausgezeichnete
Mitarbeiter zu sichern verstanden, welche
die einzelnen Kapitel in Wort und Bild gleich gut
durchführen. Von starkem Interesse ist besonders
der Abschnitt »Das Zeichnen für Kinder«, das Albert
Kuli-Stuttgart ausführlich behandelt. In neunzehn
Kapiteln sind alle einzelnen Gebiete der Zeichenkunst
vorgenommen, selbst Spezialgebiete wie das
heraldische Zeichnen werden durch bekannte Fachleute
(im vorliegenden Fall durch Otto Hupp in
Schleißheim) eingehend dargestellt. Mehr als tausend
Abbildungen begleiten den Text, die Ausstattung
und Aufmachung des ganzen Werkes ist
sehr elegant. g. j. w.
Paul Durrieu, Les Antiquites judaiques
etle peintreJeanFoucquet.Ouvrageaccompagne
de 25 planches en heliogravure et de 2 planches
en phototypie. broche Frs. 60.—. Paris, Librairie
Plön, Plon-Nourrit et Cie., Imprimeurs — Editeurs.
Mehr und mehr beschäftigt man sich nun mit
dem reichen Schatz an Buchmalereien des Mittelalters
und der Renaissance. Die Möglichkeit, durch
gute Reproduktionen solche Werke kennen zu lernen,
wird das Verständnis alter Tafelgemälde wesentlich
fördern. Könnten wir uns doch das plötzliche Erwachen
naturalistischen Empfindens und Darstellens
etwa im Genter Altarwerk nicht erklären, wenn wir
nicht zuvor in Buchmalereien schon vorbereitenden
Naturalismus kennen gelernt haben würden. Zu
solchen Werken der Miniaturmalerei, die viel höher
geschätzt werden dürfen und müssen als die Mehrzahl
mehr handwerklich gemalter Altarbilder unbekannter
»Meister« des Mittelalters, gehört außer
dem berühmten Breviarium Grimani, den »Tres
riches heures du duc de Berry« vor anderen noch
die»AntiquitesJudaiques« des Jean Foucquet.
— Jean Foucquet hat freilich schon längst einige
Kenner und Forscher interessiert. Graf Bastard
veröffentlichte schon 1834 einiges von Foucquets
Miniaturen und etwa 30 Jahre später brachte Curmer
eine größere Zahl photolithographischer Reproduktionen
nach Miniaturen dieses Meisters, der zu seiner
Zeit mit Recht zu den Berühmtheiten zählte und
nur vergessen werden konnte, weil die Mehrzahl
seiner Werke in den Pergamenten der Bibliotheken
begraben lag. — Nun hat der Verlag'Plon eine gar
prächtige Publikation eines Hauptwerkes des großen
Foucquet auf den [Markt gebracht. - Es ist das die
berühmte »Jüdische Geschichte« des Flavius Jose-
phus aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert
— nach dem wundervoll illuminierten Kodex der
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