Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 153
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OTTO PROPHETER

BILDNIS CASPAR RITTERS

CASPAR RITTER

Von J. C. Heer

er kennt die Gesetze, nach der sich die
Kunst ihre Jünger beruft? Sie berühren
uns wie ein Spiel willkürlicher Phantasie.
Der junge Hirt muß die Herde lassen, hoch
vom Berge nieder in die Städte steigen und
in Verkennung und Armut die Kunst, das
Licht suchen, das die Seligkeit seines Herzens
ist. Auch Caspar Ritter, jetzt einer der
gefeiertsten deutschen Porträtisten, kommt
aus keiner Umwelt, die eigens für den künstlerischen
Beruf vorbereitet. Sein Vater, Ulrich
Ritter von Marthalen im Schweizerkanton
Zürich, war ein Mann der Industrie. Als
sein Zweitältester Sohn, dem noch mehrere
Geschwister nachfolgten, wurde Caspar Ritter
am 7. Februar 1861 in Eßlingen (Württemberg
) geboren und verlebte seine Jugend, den
wechselnden Stellungen seines Vaters folgend,
an den Industrieorten Eßlingen, Töß bei Win-
terthur (Schweiz), Gmunden in Oberösterreich
, Mels im Kanton St. Gallen (Schweiz)
und endlich wieder in Töß, überall in der
Nähe der surrenden Maschinen, umgeben von
den Bildern der Baumwollfabrikation.

Der bedeutsamste Ort in der Jugendentwicklung
C. Ritters war das Industriedorf Töß.
Dort haben wir als Söhne befreundeter Väter
und Nachbarkinder gemeinsam die Schulen besucht
; so wenig aber jemand in mir den späteren
Schriftsteller ahnte, so wenig in Ritter
den kommenden Maler; doch erinnere ich mich,
daß sich der Knabe schon in seinem stillen
Spieltrieb künstlerisch betätigte, indem er
zu unserer Verwunderung aus Lehm oder
Holz mancherlei formte, z. B. figurenreiche
Darstellungen der Geburt Jesu. Mit aller
Schärfe trat sein zeichnerisches Talent gegen
sein 15. Altersjahr hin zutage. Seinem
künstlerischen Drang trat aber der Wille des
praktisch veranlagten Vaters entgegen, der
dem Sohn eine ähnliche industrielle Laufbahn
zudachte, wie er sie selber gegangen war.
Schweren Herzens ließ sich C. Ritter an den
Schraubstock binden und verlebte von 1876
bis 1880 in Flums, Kanton St. Gallen, sowie
in Töß eine lange gedrückte Zeit als Mechanikerlehrling
.

Eine reizende novellistische Begebenheit

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Die Kunst für Alle XXIV. 7 t. Januar 1909 1 53

Publishedjanuary 1909. Privilege of Copyright in the United States reserved under the Act approved March 3, 1905 by F. Bruckmann A.-G., Munich


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