Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 156
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führte zur Erlösung aus dem Zwang und
Kummer dieser Jahre. Der in einer Dachkammer
bei einfachen Verwandten hausende
Mechaniker hatte sich still in das schöne
Töchterchen eines Fabrikbesitzers verliebt.
Die Liebe drückte ihm den Stift in die Hand
und eines Tages wurde das wohlgetroffene
Bild der heimlich Angebeteten hinter dem
Bett in seiner Dachkammer entdeckt. Ueber
der verwegenen Kunstübung entstand in beiden
Familien große Entrüstung. Der junge
Liebestraum erlosch, zugleich aber erkannten
zwei Männer, der ehemalige Sekundarlehrer
C. Ritters, Jakob Greminger, sowie der ältere
Bruder Caspars, Ulrich Ritter, der unterdessen
selber Lehrer geworden war, das bedeutende
künstlerische Talent, das aus dem Bild des
Mädchens sprach. Aus ihren eigenen beschei-

CASPAR RITTER

GRAFIN SCHWERIN-USEDOM

denen Mitteln ermöglichten sie dem jungen
Mann den Uebertritt aus der Schlosserwerkstatt
an die Kunstgewerbeabteilung des Technikums
in Winterthur. Das war 1880.

Durch das glückliche Eingreifen der beiden
Männer war C. Ritter der Weg in die Kunst
frei geworden. Sie erlebten die große Freude,
daß sich ihr Schützling unter den Lehrern
Seder und Petua, bei denen er zwei Jahre
verblieb, schon nach wenigen Monaten aus
dem Ertrag seiner Kunst selbständig durchs
Leben zu bringen vermochte, wobei allerdings
rühmend hervorzuheben ist, daß die Industrie-
und Handelsstadt Winterthur, die C. Ritter
auch später durch zahlreiche Bilderkäufe und
Aufträge gefördert hat, stets Wohlwollen und
Herz für ihren jungen Künstler besaß. Nach
zweijährigen Studien in Winterthur siedelte
der junge Maler an die Akademie
in München über, wurde der Schüler
der Professoren Gabi, Herte-
rich und v. Löfftz und errang sich
dort rasch die ersten akademischen
Auszeichnungen, in der Naturklasse
die bronzene, im ersten Semester
der Figuralmalklasse die silberne
Medaille.

Der künstlerische Werdegang des
ehemaligen Schlosserlehrlings erledigte
sich also überaus sicher und
rasch. Schon in München durfte
C. Ritter einen eigenen glücklichen
Hausstand begründen, aus dem drei
Kinder, ein Sohn und zwei Töchter
hervorgegangen sind, und seine
weitere Biographie sind ein gesegnetes
Sichvertiefen in die Aufgaben
der Kunst, ein fröhliches Ausweiten
des eigenen Talentkreises,
vorbildlicher Künstlerernst und
Künstlerfleiß und äußere Erfolge
in schöner Steigerung. Im Jahre
1887 wurde Ritter als Lehrer der
Figuralmalklasse an das Städelsche
Institut in Frankfurt a. M. gezogen,
schon im folgenden Jahr aber erfolgte
durch Großherzog Friedrich
von Baden seine Berufung als Professor
an die Akademie der bildenden
Künste in Karlsruhe. Damit
sind die großen äußern Ereignisse
im Leben Ritters, soweit sie sich
heute überblicken lassen, zur Ruhe
gekommen, nicht aber seine innere
künstlerische Entfaltung, der insbesondere
auch längere Studienreisen
nach Holland, Italien und
Paris zu dienen hatten, Aufenthalte,

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