http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_19_1909/0208
CASPAR RITTER
GRAF SCHWERIN-USEDOM
die jeweilen einen reichen künstlerischen Ertrag
zutage förderten. Ehren mancherlei begleiteten
den Weg. 1896 wurde C. Ritter die
Goldene Medaille in Berlin zuteil.
Die künstlerischen Erstlinge Ritters waren
schweizerische und holländische Genrebilder,
einzelne Proben davon sind in den Kunsthallen
von Winterthur und St. Gallen, sowie
im Musee Rath in Genf aufbewahrt; bald aber
wandte er sich jenem Gebiete zu, das er mit
einer besonderen Stärke seines Talents bebaut
, der Darstellung der weiblichen Schönheit
, dem Akt wie der Gewandstudie und erreichte
in beidem, in der Wiedergabe der
menschlichen Leibesschönheit wie der Wirkung
der Stoffe und Falten eine virtuose Technik
. Erinnert das „Lesende Mädchen" (Abb.
S. 163) in seiner lieblichen Schlichtheit noch
an die genrehaften Darstellungen, mit der seine
künstlerische Laufbahn begann, so geben uns
die Gemälde „Ihr Spiegelbild", „Eva", „Akt",
„Die Bacchantin" die volleSchönheit der Linien
und Formen, des Lichtes, der Schatten und
Töne des weiblichen Körpers, die Idylle
„Blumen", eine reizvolle Verbindung junger
Weiblichkeit mit leuchtendem Blütenjubel und
beredt hat der Künstler in den drei Gemälden
„Die Rächerin", „Carmen" und „Das Opfer"
mit der blendend schönen Darstellung weiblicher
Typen einen beziehungsvollen seelischen
Vorgang verwoben. Auch auf die virtuose
Behandlung der Gewänder in „Rächerin" und
„Salome" darf besonders aufmerksam gemacht
werden.
Zu gleicher Zeit wie dem Akt wandte sich
Ritter der Porträtmalerei zu. Aus seiner
jüngern Zeit schon stammen viele Bildnisse
in der Schweiz, namentlich in Winterthur,
Zürich und Basel. Allmählich hat sich seine
schöne Kunst so zur Reife entwickelt, daß
er jetzt zu den begehrtesten Porträtisten
Deutschlands zählt. Wie in seiner freien
157
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_19_1909/0208