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caspar ritter
damenbildnis
hunderte weiter zurückliegende Epoche der nordischen
Heerzüge und der Warägerfahrten, in die
Steinzeit sogar hat sich Roehrich eingelebt und ruft
sie uns herauf mit urweltlich dämmernden Farben
im harten Umriß. Karl m. Kuzmany
VON AUSSTELLUNGEN
UND SAMMLUNGEN
CRANKFURT a. M. Frav Marie Held hat hier
* jüngst einen neuen Kunstsalon eröffnet. In einem
lichten Räume an der Neumainzerstraße hängt eine
Kollektion Bilder, man möchte sagen, aus den Beständen
der Berliner Secession oder der mit ihr
zusammenhängenden Firma Cassirer. In einer
>Karnevalszene« von Goya ist die impressionistische
Technik durch einen älteren Meister repräsentiert.
Sonst haben die Enkel und Urenkel das Wort.
Allen voran Max Liebermann mit zehn Bildern,
darunter einige seiner bekannten Strandszenen, die
aber nicht alle den Künstler vollwertig repräsentieren
. Man hat, wie so oft, die Empfindung, als
seien von zu eifrig um den Künstler besorgten
Händlern lediglich Skizzen als fertige Bilder aus
seinen Händen genommen worden. Liebermanns
großes Können und wahre Freude an der Farbe
beweist eine Flachlandschaft, eine Ebene, die in
saftigem Grün nach rückwärts sich ausdehnt. Sehr
ansprechend, namentlich für Frankfurt, das ein
solches Werk van Goghs noch nicht gesehen,
dessen >Rast während der Ernte«. In der Darstellung
des Kornfeldes eine erfreuliche malerische Kraft,
in den Körperbewegungen eine bei dem seltsamen
Meister erstaunliche Zuverlässigkeit. Sonst ist noch
von van Gogh ein Männerporträt und ein Sonnenuntergang
« dorten. Von eigentlichen Franzosen findet
sich C£zanne »Apres midi bourgeois« und eine
»Theaterszene« von Daumier, die mehr an das
Karikaturenhafte streift.
Bilder von Artur Kampf, Hübner, Plastiken
von Gaul, Kolbe und Klimsch vollenden das
Berliner Milieu des neuen Kunstsalons, das wir
vielleicht programmatisch fassen dürfen. Auch
Frankfurt selbst ist vertreten durch ein Kinderköpfchen
von O. W. Roederstein und eine Landschaft
J. Nussbaums in dessen letzter zerfetzter Malweise.
Diese kann man am besten kennen lernen in
Schneiders Kunstsalon, wo vier Landschaften, Nußbaums
neueste Werke, zur Ausstellung gelangen.
Nußbaum geht immer mehr das Gefühl für das
Gewachsensein eines Baumes, kurz, das Struktive
der Natur, ab. Die Erwartungen, die einst auf die
jüngeren Arbeiten des Künstlers gesetzt wurden,
scheinen sich nicht erfüllen zu sollen. Außer diesen
Landschaften bei Schneider 16 Porträts des englischen
Modemalers Giuseppe Giusti. Die Bildtitel
: »Dame in blauem Hut mit weißer Feder«,
>Englischer Offizier in blauer Uniform«, »Nurse an
der Wiege«, verweisen schon in die gute Gesellschaft,
deren Geschmack sich auch in Giustis Kunst betätigt
. Er ist technisch gewandt und in der Aufmachung
seiner Bilder englisch zivilisiert. Dadurch
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