Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 174
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_19_1909/0227
-sr4^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^^~

auch eine der ältesten Kunsthandlungen im Reiche
ist, unter Zusammenlegung ihrer bisher in getrennter
Lage geführten zwei Ausstellungsgeschäfte
nach einem auf eigenem Grund und Boden aufgeführten
Neubau über. Obwohl Kauffmann erst
auf dem Umwege über München und nachdem er durch
die Führer der damaligen Münchner Realistenschule
Peter von Heß und Heinrich Biirkel hierzu die erforderliche
Anleitung erhalten, zur Erkenntnis seiner
selbst gekommen war und obwohl er von Zeit zu
Zeit immer wieder gerne in den Jungbrunnen
tauchte, den München schon damals für die
deutschen Künstler bedeutete, ist Kauffmann in
der Isarstadt doch kaum im Verhältnis zu der ihm
auf heimatlichem Boden zuteil werdenden Wertung
gekannt. Hier schätzt man in dem Künstler einen
der führenden Männer, die im deutschen Norden
den Sinn für die Erkenntnis des im einfach Wahren
gelegenen Schönen entwickelt haben oder, wie er
in seinen knapp gehaltenen Aufzeichnungen von
sich selber sagte, dessen Streben „nach Einfachheit
und Gesamtlichkeit« gerichtet war. Von einigen
Tierbildern abgesehen, die von dem Verlangen nach
Beobachtung des Lichterspiels auf den tieftönigen
Tierfellen eingegeben waren, malte Hermann Kauffmann
das Leben der Menschen auf der Landstraße,
im Felde, im Walde und zwar mit besonderer Vorliebe
im winterlich eingeschneiten Walde, wenn die
im Wirbel umhergetriebenen Eiskristalle die dagegen
angehenden Menschen und Tiere zur äußersten
Anspannung ihrer Kräfte nötigen. Obwohl er
sich den reichen, künstlerischen Anregungen, die
das Leben der Fischer und Schiffer in seiner
engeren Heimat bietet, keineswegs verschloß, die
Liste seiner Werke auch manches in seiner Art
bedeutsames Marinebild verzeichnet, wandte er
diesem Genre ebenso wie dem der Bildnismalerei
doch nur vorübergehende Aufmerksamkeit zu. Trotz
dieser stofflichen Einschränkung und trotz der
seither eingetretenen Wandlungen in den künstlerischen
Anschauungen hat das Interesse an den
Werken Hermann Kauffmanns nicht nur nicht
abgenommen, sondern, wie an der Hand der auf
den Auktionen dafür bezahlten Preise zu ersehen,
bewegt es sich in steigender Linie fortwährend
noch aufwärts. Eine Erklärung hiefür dürfte, neben
ihren reichen, künstlerischen Vorzügen, die übrigens
mehr in der Feinheit der zeichnerischen Durchführung
als in ihrem für das modern geschulte
Auge etwas mattem Kolorit, beruhen, einerseits
darin gegeben sein, daß Hermann Kauffmanns
Haupt-Klientel die breite Schicht des wohlhabenden
Hamburger Bürgerstandes in sich schließt, in der
künstlerische Erbstücke mit Pietät gehütet werden,
und anderseits die Galerien, die sich geraume Zeit
hindurch gegen Kauffmann ablehnend verhielten,
jetzt für Gemälde sowohl wie für Zeichnungen und
Radierungen von dieses feinsinnigen Künstlers
Hand als Mitbieter auftreten.

Das neue Kunsthaus Commeter (Inhaber Wilhelm
Suhr) eröffnete mit einer historischen Uebersichts-
ausstellung, die sich aus einer Anzahl auserlesener
älterer holländischer, in der Hauptsache aber aus
solchen Meistern zusammensetzt, die für die Entwicklung
der modernen Kunst im 19. Jahrhundert
von führender Bedeutung sind. Das eigentlich Originelle
an diesem neuen Kunsthause Commeter besteht
in der Teilung seiner Ausstellungsräume. Das Parterre
gehört dem Kunstverlag. Im Obergeschoß
(Hochparterre) liegen vier Säle, die das Licht von
der Seite erhalten. Von diesem Obergeschoß ist
mittels Lift eine Verbindung nach dem Dachgeschoß
(fünfter Stock) hergestellt, das sein Licht

durch eine gewölbte Glaskuppel von oben her
erhält. Die zwischen Hochparterre und Dachgeschoß
gelegenen Etagen sind als Kontorräume
in Miete abgegeben. Ein Ausstellungslokal so nahe
unter den Wolken, ist, meines Wissens, eine Neuheit
in deutschen Landen — doch in der Zeit der »Zeppeliner
« nicht mehr als zeitgemäß. h. e. w.

]\/T AGDEBURG. Der Kunstverein hat diesmal eine
interessante Ausstellung aufzuweisen: Plastiken
von Jenny Drussin, die in diesem Umfange wohl
kaum an anderer Stelle gezeigt worden sind. Die
Künstlerin — eine Autodidaktin — wahrt sich eine ganz
erstaunliche Unabhängigkeit; ihr lebhaftes Naturgefühl
und ihr Sinn für plastischen Ausdruck leiten
sie allein. So kommt es, daß allerdings einzelne
ihrer Motive, wie eine wandelnde Schafherde mit
dem voran schreitenden Hirten in Rundplastik, dem
strengen Schema tektonischer Skulptur nicht entsprechen
— daß aber alle ihre Arbeiten ungemein
frisch, köstlich, überzeugend wirken. Tierbilder gelingen
ihr höchst lebendig; ihre Bronzestatuetten
nackter Mädchen sind von herbem jugendatmenden
Liebreiz; ihre Büsten sprechend und voll innerlichen
Erlebens. Köpfe wie der Henry Thodes, des Kammersängers
von Bary, Emanuel Reichers wirken im Ausdruck
so intensiv wie in der plastischen Form reich
und geistvoll; die Mannigfaltigkeit der Ideen wie
der Ausdrucksmittel ist überall bei der Künstlerin
überraschend. Dr. p. F. Schmidt

TUl ÜNCHEN. Die Secession plant auch diesesjahr
eine Winter-Ausstellung und zwar soll eine umfangreiche
Kollektion von Werken von Hans von
Marees aus Privat- und Galeriebesitz gezeigt werden.
Die Ausstellung soll alle Räume der Secession füllen
und eine Ueberschau über den Entwicklungsgang
Marees' darbieten. Der bayerische Staat, der in der
Schleißheimer Galerie einen Hauptteil des Marees-
schen Nachlasses bewahrt, wird diesen zur Ausstellung
überlassen; auch der Prinzregent hat die
Ueberlassung eines Bildes zugesagt. Ebenso hofft
man, von der Nationalgalerie in Berlin, die zahlreiche
Bilder als Schenkung Hildebrands und als Nachlaßstiftung
Fiedlers besitzt, darunter die Kartons zu den
Fresken im Bibliotheksaal der Zoologischen Station
zu Neapel, einem Hauptwerk des Künstlers, einen
zusagenden Bescheid zu erhalten. Auch von privater
Seite, so von den Sammlungen Hildebrand in München
, Levi-Partenkirchen, sind schon jetzt bedeutende
Werke versprochen. Die Ausstellung dürfte
also ein ziemlich lückenloses Bild vom Werk des
Künstlers geben und wird schließlich der Secession
einen ebenso großen Erfolg bringen wie die vorausgegangenen
Winterausstellungen (Albert von Keller,
Fritz von Uhde, J. K. Becker-Gundahl, Weishaupt,
Tooby etc.).

]\/T ÜNCHEN. X. Internationale Kunstausstellung
in München 1909. Im kommenden Jahre wird
im Kgl. Glaspalast zu München die zehnte der alle
vier Jahre stattfindenden großen Internationalen
Kunstausstellungen abgehalten werden. Diese seit
dem Jahre 1863 bestehenden Ausstellungen sind
eine bleibende Institution im Münchner Kunstleben
geworden. Die X. Internationale Kunstausstellung
wird veranstaltet gemeinsam von der »Münchener
Künstler-Genossenschaft« und der »Münchener Secession
«. Das Präsidium für die Ausstellung
hat sich konstituiert und seine Tätigkeit begonnen.
Es setzt sich zusammen wie folgt: I. Präsident:
Akademieprofessor Hugo Freiherr von Habermann,
Maler; II. Präsident: Professor Hans von Petersen,
Maler.

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