Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 175
(PDF, 162 MB)
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NEUE KUNSTLITERATUR

Judith Cladel, Auguste Rodin. L'oeuvre
et Thomm e. Bruxelles, G. van Oest & Cie.
Preis 100 frs.

Judith Cladel hat ein ganz persönliches Buch
über Rodin geschrieben, weder kühl analysierend,
noch jauchzend begeistert. Sie hat ihre Gespräche
mit Rodin gesammelt, nicht aber, indem sie diese
nach ihrer eigenenPhantasie ausbaute, sondern streng
der Wahrheit gemäß niederschrieb. Es ist also etwas
wie ein wissenschaftliches Interview, das uns hier
geboten wird, und Rodin selbst ästhetisiert über Rodin.
Der erzählende Ton blieb dem Buch bis zuletzt
gewahrt, aber es wirkt darüber nicht feuilleto-
nistisch, es ist keine leichte Kauserie. Judith Cladel
empfand Rodin als ein erschütterndes Erlebnis, und
auch für uns wird Rodin lebendig in ihrem Wort.
Die etwas exklusive und einsame Natur Rodins wird
uns verständlich und menschlich sympathisch, und
durch sie zeigt sich uns ein Weg zum vollen Erfassen
des außergewöhnlichen Künstlers. — Camille
Lemonier hat das Buch, das Octave Mirbeau als
dem ersten Vorkämpfer des Rodin-
schen Genies gewidmet ist, mit
freundlichen und klugen Worten eingeleitet
, Rene Cheruy hat ihm einen
Katalog der bedeutendsten Arbeiten
des Meisters, die von 1864—1906
auf den Ausstellungen erschienen,
angehängt. Den besonderen Wert
der Publikation jedoch sehe ich mehr
als in allem Textlichen in den vorzüglichen
Illustrationen, Reproduktionen
von Hauptwerken Rodins, die
auf neunzig Tafeln außer dem Text
in Heliogravüre und Heliotypie gegeben
werden. Wer darum weiß, wie
sehr schwer es ist, von plastischen
Kunstwerken auf dem Wege photographischer
Reproduktion einen ungetrübten
Eindruck zu vermitteln,
der wird diese vorzüglichen Aufnahmen
nicht genug loben können.
Auch zwölf der merkwürdigen Zeichnungen
Rodins (vorwiegend sehr originell
hingestrichene Frauenakte mit
farbiger Höhung) und sieben graphische
Arbeiten sind reproduziert und
vermitteln einen erwünschten Einblick
in des Meisters intimeres, weniger
bekanntes Schaffen, g. j. w.

ArthurRössler, Ferd. Georg
W a 1 d m ü 11 e r. Große Ausgabe
M. 136.—, kleine Ausgabe M. 5.—.
Wien, K. Graeser & Cie.

Wer etwa in Arthur Rösslers
Waldmüller-Monographie ein durch
die Glanzlichter impressionistischer
Wortkunst blendendes imaginäres
Porträt vermuten sollte, den mag ein
Blick in das zweibändige Monumentalwerk
eines besseren belehren.
Gleich derTitel zeugt davon, daß hier
dem Künstler selbst in erster Linie
das Wort erteilt worden ist; er lautet:
>F. G. Waldmüller, sein Leben, sein
Werk und seine Schriften.* Die
Schriften, denen der verhältnismäßig
schmächtigere Band ausschließlich
gewidmet ist, sind für den Waldmüller
-Forscher schon darum von

Wert, weil sie vieles im Leben und Schaffen des Reformators
erklären, der seine Abneigung gegen den akademischen
Zwang nicht nur in temperamentvollen
Essays bekannte, sondern seine Grundsätze auch in
künstlerische Taten umsetzte und zeitlebens dafür
büßen mußte. Der erste Teil des Bandes umfaßt die
theoretischen Aufsätze: »Das Bedürfnis eines zweckmäßigeren
Unterrichtes in Malerei und plastischer
Kunst« (1846), »Vorschläge zur Reform der österreichisch
kaiserlichen Akademie der bildenden Künste«
(1849) und > Andeutungen zur Belebung der vaterländischen
bildenden Kunst« (1855). Ferner ist nebst dem
literarischen Nachlasse eine Reihe von Briefen erstmalig
veröffentlicht, deren cholerische Tonart den
Charakter des streitbaren Künstlers markanter kennzeichnet
als es die geistvollste Schilderung vermöchte
. Es erübrigte dem Herausgeber somit eigentlich
nur, in der Einleitung zum Hauptbande an der
Hand seines reichen Materials den äußeren Lebensgang
Waldmüllers zu schildern und dessen künstlerische
Erscheinung aus dem Milieu des vormärzlichen
Wien plastisch hervortreten zu lassen. So
sehr es Arthur Rössler darum zu tun sein mochte,

caspar ritter

bildnis

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