Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 19. Band.1909
Seite: 194
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-^^> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN <^=^

JACOB SMITS

RÖTELZEICHNUNG

Belgische Ausstellung, Berlin

tung noch nicht voll erkannten Malers vereinigt. Ribot,
der von 1823 — 1891 in und bei Paris lebte, knüpfte,
wie so viele seiner Generation, an die alten Spanier
an, doch bestachen ihn weniger Velasquez und
Goya als Ribera, dessen energische Licht- und
Schattenbehandlung ihm tiefen Eindruck machte und
die bei ihm lange Zeit entscheidend nachwirkte. Ribot
war in erster Linie Porträtist. Man vergleiche nun
einmal eines seiner Altfrauenbilder, z. B. das seiner
Schwester, mit einem Ribera, etwa mit dem »Alten
Hökerweib« der Münchner Pinakothek. Der Zusammenhang
der beiden Künstler wird dann sofort
in die Augen springen. Dennoch wäre es falsch,
in Ribots Schaffen nichts anderes zu sehen als ein
Wiederaufflackern altmeisterlicher Kunstanschauung.
Ribots Art der Charakterisierung ist vielmehr ganz
modern, es sind keine auf altmeisterlichen Ausdruck
zurechtstilisierte Menschen, die er malt, sondern
durchaus charakteristische Erscheinungen seiner
eigenen Zeit, von feinster Individualisierung und
doch auch mit einem bewußten Stich ins Typische.
Originell ist weiterhin Ribots Kolorit. Er ist sehr
sparsam mit der Farbe und malt gerne sehr dunkel,
nur zuweilen blitzt ein Rot, Grün oder Weiß bewegt
aus dem Schwarz oder Tiefbraun des Fonds auf. Desto
freigebiger ist er mit meisterhaft nuancierten Tönen,
zumal die Gesichter sind von kaum zu überbietender
Feinheit der tonigen Abschattierung. Neben den
Porträten finden wir auch das Stilleben in Ribots
Werk, also jenes Gebiet künstlerischen Schaffens,

das die größte Willkür in Farben- und Formenkomposition
offen läßt. Auch Ribot verleitete es dazu,
mehr aus sich herauszugehen und buntere Farben
auf seine Palette zu setzen. Der feine koloristische
Geschmack des Künstlers bestand aber auch diese
selbstauferlegte Probe; mancher wird bei eingehendem
Studium vielleicht sogar finden, daß diese Stillleben
Ribots noch energischer in die Zukunft, auf
den Impressionistenkreis um Manet, weisen als seine
Porträte. An Bilder, welche starke raumkomposi-
tionelle Ansprüche stellen, machte sich Ribot anfangs
nur zaghaft. Seine Köchebilder, die zum größeren
Teil seiner Frühzeit angehören, sind sicher nicht
gemalt worden, weil den Künstler kompositioneile
Momente reizten, sondern weil es ihm um die feinnuancierte
Weiß-Malerei zu tun war. Anderes aus
späterer Zeit ist ein wenig zaghaft und zurückhaltend
in der Komposition wie das kleine Bildchen »Zeichenunterricht
«, doch hat es einen gewissen Reiz, den
wir sonst nur an ganz delikaten Stücken altholländischer
Kleinmaler kennen. Ins Große strebte Ribot
erst mit seinen religiösen Bildern, von denen seinerzeit
zwei fürdasLuxembourg-Museum gekauftwurden,
und mit einem leise ans Genrehafte streifenden
Stück wie den »Fahrenden Musikanten« in dieser
Kollektion. — Eine Ausstellung von größter Bedeutung
veranstaltete dann die Galerie Heinemann, indem
sie uns eine stattliche Anzahl vorzüglicher Bilder der
Barbizon-Schule und anderer gleichzeitiger französischer
Meister zeigte. Besonders eindrucksvoll er-

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